Piratenpause

Lang war er, der Wahlkampf. Denn eigentlich habe ich schon vor mehr als einem Jahr angefangen. Dann kam noch eine Menge privater Stress hinzu. Aber wir haben es geschafft. Das Ergebnis war nicht so toll, aber niemand hat behauptet, dass es leicht ist in der Politik, oder?

Eine Grundregel gibt es, die in unserer Gesellschaft oft nicht genug beachtet wird (bzw. werden kann von den Betroffenen): Wenn du eine Pause brauchst, dann mach sie.

Ich denke, dass ich eine Pause brauche. Im Grunde habe ich seit 2009 kaum ein anderes Hobby gehabt außer Partei und ein paar Computerspiele (auch weniger als vorher). Ich habe es noch nicht mal geschafft, die Bücher, die ich schon gekauft hatte, zu lesen! Geschweige denn, Dinge selbst zu schreiben.

Aus diesem Grund nehme ich mir eine Auszeit von der Partei. Das heißt nicht, dass ich gar nichts mehr machen werde. Ich trete nicht als Kassenprüfer zurück, sonst müsstet ihr noch einen Parteitag machen in diesem Jahr 😉 (Ups, machen wir ja!) Und wenn ein Treffen ist, könnt ihr mich gerne dazu einladen! Aber ich werde nicht mehr die Mailinglisten lesen (höchstens Überschriften scannen) und auch keine Aufgaben übernehmen. Zumindest nicht bis zum 1.11.2013.
Warum diese Datum? Ganz einfach: Wie jedes Jahr ist im Oktober der
NaNoWriMo – der National Novel Writing Month

In diesem Monat versuchen die Teilnehmer, einen 50.000-Wörter-Roman zu schreiben. Es geht hier weniger um Perfektheit, sondern vielmehr um das Durchbrechen von Blockaden „die Zeit habe ich nicht“ oder „ich bin nicht gut genug“ oder „ich weiß nicht weiter“ etc.
Ich wollte da schon lange mal teilnehmen, diesen Monat werde ich es wohl endlich tun.
Außerdem werde ich diesen Monat mal so richtig viele Bücher lesen. Und den Blog von Mr. Money Mustache von vorn bis hinten. Und neben einem Roman sicherlich auch noch was in meinen Blog schreiben.

Mit anderen Worten: Ich werde mal so richtig viel spaßigen Stress haben! Yeah!

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Mr. Money Mustache

Ich lese ja viel, auch im Internet und auch gelegentlich mal über Geld.
Beim Lesen bin ich vor etwa 2 Wochen auf einen Blog gestoßen, der beim Geld ziemlich extrem ist – und nicht nur da.

Der Autor des (englischsprachigen) Blogs ist Mr. Money Mustache, oder kurz MMM, ein Software-Ingenieur, der mit seiner Familie im Alter von 30 Jahren in „Frührente“ gegangen ist (Motto: Early Retirement through Badassity). Von Kanada in die USA gezogen wohnt er in Longmont, in der Nähe von Boulder, mit seiner Frau Mrs. MM und little MM.
Das Ziel des Blogs ist – in typisch zurückhaltender MMM-Manier: „The real reason this blog exists, is simply to save the entire human race from destroying itself through overconsumption.“

Als typischer(?) oberer Mittelständler in den USA hat er es in kurzer Zeit geschafft, FI: Financial Independence (finanzielle Unabhängigkeit) zu erreichen. Und flucht jetzt (wortwörtlich) des öfteren über die idiotischen anderen Mittelständler, die trotz ihres Einkommens nach eigenen Aussagen „kaum wissen, wie sie über die Runden kommen sollen.“

Ein lustiger Kerl

Beim Lesen der Blogeinträge hatte ich öfters einen Lachanfall. So zum Beispiel als er aufforderte „und wenn das hier auf dich zutrifft, dann hör mit lesen auf und druck dir mein Gesicht aus, damit ich dir eine reinhauen kann für deine Dummheit“.
Mit diesen oft sehr expliziten Beurteilungen hat MMM in Windeseile eine große Leserschar angezogen, die seinen erfrischenden Stil genauso mögen wie ich.
MMM ist außerdem Häusle-Bauer, was die Breite seiner Tipps und Berichte wesentlich erhöht.

Seine Methode, möglichst schnell die finanzielle Unabhängigkeit (genügend „Fuck You Money“) zu erreichen, besteht in der radikalen Einsparung der Ausgaben und der Anlage in Indexfonds.

Radikal sparen heißt nicht radikal arm leben

Radikale Einsparung heißt dabei nicht, auf etwas zu verzichten, auch wenn es für viele so aussieht. Es geht darum, sich bewusst für oder gegen Dinge und Verhaltensweisen zu entscheiden, die letztendlich 3 Dinge bringen sollen: Geld, Gesundheit und Gutes. Klingt doch nicht schlecht, oder?
Er zeigt dabei, wie man mit der Änderung des Lebensstiles deutlich zufriedener leben kann als im Konsumwahn. Gefühlt lebt man dabei trotzdem im Luxus. Für große Ausgaben bleibt bei all den spaßigen kostenlosen oder Geld einbringenden Sachen gar keine Zeit!
So ist eine Fahrradtour mit der Familie durch die malerischen Berge seiner Umgebung doch wohl besser (und billiger) als das herumfahren im Auto, in eine Schlange stellen, von Menschen angerempelt zu werden etc., das es sonst oft bei Ausflügen gibt
Außerdem ist MMM ein Anhänger der „Think Big“ Theorie und verteilt neben Schlägen ins Gesicht gerne „Optimism Guns“.

Eines seiner Lieblingsthemen, auch weil es in den USA so akut ist, ist das Fahrrad fahren, bzw. das nicht-benutzen des Fahrrads und das viele herumfahren mit dem Auto.
Es besteht darauf, alle alltäglichen Dinge mit dem Fahrrad zu machen. Das hat gleich 4 Vorteile: Bessere Gesundheit, mehr Spaß, weniger Umweltverschmutzung und gespartes Geld. Wenn man doch ein Auto braucht, dann ein älteres gebrauchtes (man fährt es ja ohnehin nur sehr selten) statt eines teuren und Sprit schluckenden SUVs.

Einer allein macht das Blog nicht fett

Auch Mrs. MM kommt gelegentlich mit einem Beitrag im Blog vor, ebenso diverse Gäste und „Leserstudien“, also Beispiele von Lesern, die um Hilfe gebeten haben. Die Kommentare sind im Vergleich zu anderen großen Blogs außerordentlich hilfreich und SPAM- und +1-frei.

Lange Rede kurzer Sinn: Lest euch in die ersten paar Beiträge ein, es lohnt sich schon wegen dem Spaß, hier geht’s los: http://www.mrmoneymustache.com/2013/02/22/getting-rich-from-zero-to-hero-in-one-blog-post/

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SZ: Verfall des Urheberrechts? Gutenberg und Buddenbrooks

Bei der Süddeutschen gibt es einen Artikel, der sich „Verfall des Urheberrechts“ nennt und auf böse Lehrer einprügelt, die der Sekretärin von Thomas Mann (1955 verstorben) nicht mal ihr Sterbegeld gönnen, weil bereits mehr als 2222 Menschen eine digitale Version der Buddenbrooks angesehen haben. Oder so ungefähr.

Jetzt mal beiseite gelegt, dass meines Wissens nach kein Urherrechtsgesetz der Welt sagt, dass ein Autor von seinen Bücher leben können muss; hier mein Kommentar, der bei der SZ vielleicht irgendwann mal freigeschaltet wird:

Verfall des Urheberrechts?

Sehen wir uns mal die Fakten an: Das Urheberrecht existiert in 2 Traditionen: Das Copyright, das an einen Zweck gebunden ist: Um Wissenschaft und nützliche Künste zu fördern, wie es die US-Verfassung ausdrückt.
Nach dieser Zweckbindung ist jedes Copyright auf einen Mann inzwischen widersinnig: Kein Mann wird neue Bücher schreiben, egal wie oft man die Copyright-Dauer noch verlängert (es gab übrigens gute Gründe, sie so kurz zu machen, wie sie mal war).

Die zweite Tradition ist die kontinentaleuropäische: Aus der Liebe eines Autors zu seinem Werk leiten sich diverse Rechte ab – unter anderem das Recht auf Verkauf.
Nun wird auch hier ein Mann keine weiteren Bücher schreiben, wenn der Verlag sie noch länger verkauft (egal, ob seine Enkel was davon haben). Auch er selbst profitiert nicht mehr davon.
Auch hier macht also ein weiteres Verlegermonopol keinen Sinn.

Zudem: kein Verlag rechnet mit 50 Jahren oder noch länger beim Kauf von Buchrechten. Weil sich so lange kaum ein Buch verkauft.
In den USA hat man das untersucht, indem die bei Amazon erhältlichen Bücher nach Dekaden sortiert wurden. Nach 10 Jahren waren – logisch – die meisten Bücher erhältlich. Nach 20 Jahren war die Zahl schon um 1/3 gesunken, noch länger und es war kaum noch ein Buch erhältlich – bis Copyright 1923. Ab da stieg die Zahl wieder stark an – denn diese Bücher sind gemeinfrei. Die Zahl der Dekade 1920-1920 lag zwischen der 10-Jahres und der 20-Jahres Periode.
Anders ausgedrückt: Im Schnitt nach 14 Jahren (zufällig(?) die Dauer, die das Copyright einst galt), sind mehr Bücher erhältlich, wenn sie in die Gemeinfreiheit fallen, als wenn ein Verlag das Monopolrecht weiterhin hat.
3/4 der Bücher im Copyright sind gar nicht mehr (legal) zu erwerben, weil sie nicht mehr vertrieben werden – drucken darf sie trotzdem keiner, weil die Rechte nicht erwerbbar sind – meist, weil niemand weiß, wer sie hat.
Bei Filmen sieht es noch schlechter aus. Es gibt auf der ganzen Welt keine einzige Filmrolle, die nach den heutigen Gesetzen frei verwendbar wäre – sie verrotten einfach bis nichts mehr übrig ist.

Archivierung? Restauration? Dringend nötig, aber illegal.

Fazit: Das heutige Urheberrecht (genauer: Die Verwertungsmonopole) sind der größte Kulturvernichter der Welt! Schlimmer als die Nazi-Bücherverbrennungen oder die chinesische Kulturrevolution.

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Irights.info hat auch einen Artikel und eine (aus Gründen eher weniger) hübsche und übersichtliche Grafik zu diesem Problem

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Beitrag 24 – Was ist rückständig: Subsistenzwirtschaft oder moderne Entwicklung?

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 24 – Was ist rückständig: Subsistenzwirtschaft oder moderne Entwicklung?

Wenn man auf die grundlegenden Werte der vielen Bewegungen (in Indien) zugreifen könnte, könnte man große Übereinstimmungen bei den Werten erkennen. Das reicht von den linksgerichteten bewaffneten Aufständen maoistischer Prägung bis hin zu den Kampagnen der Adivasi, der Bauern, der Arbeiter und der Dalit. Nicht wenige von ihnen haben ihre Wurzeln in der größtenteils gewaltlosen nationalistischen Unabhängigkeitsbewegung, die von Mahatma Gandhi inspiriert war.

Die Aktivität der sozialen Bewegungen ist auch ein Zeichen demokratischen Geistes in Indien. Besonders auffällig wurde dieser bei der Mobilisierung der Menschen gegen den Bau großer Staudämme. Die ältesten bekannten Dämme sind etwa 8000 Jahre alt. Die größten und meisten sind allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden. So genannte Mega-Staudämme gab es 1950 gerade einmal zehn. 1995 gab es schon 305 von ihnen. Oftmals bedeutet ein Staudamm nicht nur eine Umweltzerstörung, sondern auch die Umsiedlung vieler Menschen. Dennoch war die erste erfolgreiche Kampagne gegen einen Staudamm in Indien vom Umweltschutz motiviert.

Seit der Gründung Indiens gibt es zwei Visionen des Wiederaufbaus: Gandhis Projekt der Wiederbelebung dörflicher Ökonomien und der Plan des ersten indischen Premierministers Nero, Wohlstand durch rapide Industrialisierung zu schaffen. Schon vor der indischen Unabhängigkeit warnte Gandhi, dass ein Indien, das eine westliche wirtschaftliche Ausbeutung betreibt, die Erde wie ein Heuschreckenschwarm leer fegen würde.
Doch trotzdem bleiben die Fragen, wo der Strom herkommen soll und woher die Nahrungsmittel, wenn nicht von künstlicher Bewässerung.

Zu sagen, wer in Indien arm ist, ist schwer. Man gerät aber kaum in die Gefahr der Übertreibung, wenn man von der Hälfte der Bevölkerung, also 600 Millionen Menschen, ausgeht. Mit Ausnahme der Slumbewohner sind diese auf irgendeine gemeinschaftliche Ressource angewiesen. Die vielen Industrialisierungs- und Infrastrukturprogramme haben aber meist nicht den Armen geholfen, die von ihrem Land vertrieben wurden, sondern vielmehr den ohnehin eher Wohlhabenden.

Menschen, die an Flüssen leben, sind sich seit jeher der wichtigen Rolle bewusst, die Flüsse in ihrem Leben spielen. Zahllose religiöse Bräuche und Rituale zeugen davon. Der Glaube kann die Menschen auch an einen bestimmten Ort binden. Jede versuchte Umsiedlung wird dann zwangsläufig mit Gewalt beantwortet werden.

Wenn neue Staudämme geplant werden, geht es aber meist nur um die wirtschaftliche Entwicklung. Bräuche, Glauben und die Natur spielen keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig wird diese „Entwicklung“ die Menschen von der Modernisierung entfremden.

*****

Ich möchte Gandhi noch etwas hinzufügen: Nicht nur ein Indien, das „westlich“ lebt, würde die Erde kahl fressen. Auch ein China. Oder Afrika. Oder Nordamerika und Europa. Wir sind gerade auf dem besten Weg, nicht nur den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen, sondern gleich den ganzen Baum.
Schon jetzt werden fast doppelt so viele Naturressourcen verbraucht, wie die Erde regenerieren kann.
Ohne Abkehr vom Wachstumswahn und damit einhergehend eine Neudefinition von Arbeit und Einkommen, wie im Piraten-Programm geschehen, wird die Erde bald tatsächlich kahl gefressen sein.

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Beitrag 23 – Wasser ist Gemeingut

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 23 – Wasser ist Gemeingut

Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, werden im Jahr 2030 nur noch ein Zehntel der tropischen Wälder und der großen Fische in den Weltmeeren übrig sein. Nicht viel besser sieht es mit den Feuchtgebieten aus. Flüsse und Seen werden verschmutzt und Wasservorkommen werden schneller abgebaut, als sie aufgefüllt werden. Verschmutztes Wasser ist weltweit die Haupttodesursache für Kinder. Der absehbare Mangel an Nahrungsmitteln und Wasser führt zu einem verstärkten Aufkaufen von Land, Wasserrechten, Ackerflächen und Wälder in einer neuen Form des Kolonialismus.

Verstärkt wird dies durch eine immer intensivere Ressourcenausbeutung, Privatisierung von allem und der Fixierung auf ein ungebremstes Wachstum.
Für die Umweltbewegung gibt es zwei Probleme: zum einen haben sich die meisten Umweltgruppen dem dominanten Entwicklungsmodell angeschlossen oder sehen keinen Weg, es zu ändern. Das zweite Problem ist das Einzelkämpfertum der Gruppen, die sich nicht mit anderen zusammentun.
Die Umweltbewegungen auf der einen Seite setzen sich mit den Gerechtigkeitsgruppen zusammen am zu einer neuen Form der Regierungsführung zu verschmelzen, die sowohl den Menschen als auch der Umwelt ein Überleben ermöglicht und die Früchte der Ökosysteme gerecht verteilt. Dazu bedarf es einer Rückbesinnung auf das Konzept namens Allmende bzw. Commons

Nach der Vorstellung der Commons hat jeder ein Anrecht auf bestimmte gemeinsame Ressourcen, einfach deshalb, weil er oder sie Mitglied der menschlichen Familie ist. Aus der alten Vorstellung, dass niemandem Nahrung, Luft, Land, Wasser oder die für die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts unerlässlichen Mittel verweigert werden dürfen, entstanden die modernen Systeme der Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist ein Beispiel für diese Gedanken.
Reaktiviert und ausgeweitet werden muss außerdem die Public-Trust-Doktrin, nach der Regierungen natürliche Ressourcen im Interesse des Allgemeinwohls zu schützen haben. Kodifiziert hat das bereits der oströmische Kaiser Justinian im Jahr 529 und heute noch wird dieser Grundgedanke verwendet.
Die natürliche Welt benötigt einen eigenen Rechtsrahmen: ein Recht der Wildnis. In diesem wird die Ausbeutung der Natur eine demokratische Beziehung mit anderen Lebensformen ersetzt. Ausbeutung der Natur wäre gesetzeswidrig. Die Natur selbst – die Ökosysteme und Lebensformen – würden das Recht auf Leben und den damit einhergehenden Schutz erhalten.
Denn wir alle sind Verwalter und Beschützer von allem Lebendigen in der Welt. Oder um es mit Gandalf zu sagen: Kein Reich beherrsche ich. Doch alles, was Wert hat in der Welt, das steht unter meinem Schutz. Denn auch ich bin ein Truchsess.

*****

Erst vor kurzem gab es einen öffentlichen Protest, als die EU sich anschickte, die Wasserversorgung in Europa in den Privatisierungswahn einzuschließen. Nicht nur viele Stadtwerke protestierten.
Jetzt kann man geteilter Meinung sein, ob das deutsche Wassernetz – und vor allem das Abwassernetz – effektiv ist. Überdimensionierte Kläranlagen sind schon seit Jahren und werden für Jahre Streitthema sein. Aber man kann wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Privatisierung die Situation auf lange Sicht nicht verbessern wird.
Private Konzerne wollen Geld machen. Das führt bei Monopolstellungen erfahrungsgemäß entweder zu steigenden Preisen (in Armenregionen müssen Menschen teils die Hälfte ihres Einkommens für Wasser ausgeben) oder zum Nutzen der Infrastruktur auf Verschleiß.

Der Wassermarkt ist einer der größten der Welt. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass es in diesem Jahrhundert vermehrt Wasserkriege geben wird. Wasser ist Leben. Ohne Wasser gibt es keine Hoffnung und keinen Frieden.

Auch wir Deutschen verbrauchen Wasser in den Regionen, die schon wenig oder gar zu wenig haben. Und das massenhaft. Denn die Produkte, die wir konsumieren, verbrauchen bei der Herstellung Unmengen an Wasser. Dieses Wasser nennt man virtuelles Wasser http://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Wasser

Film: Der Konzern Nestle und das Wasser:
Arte-Webseite
Youtube – Bottled Water

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Beitrag 22 – Bauprojekte bedrohen Gemeingüter

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 22 – Bauprojekte bedrohen Gemeingüter

Der Bergbau in Südamerika expandierte stark den 1990er Jahren. Eine gestiegene Nachfrage und die Finanzkrise trieben die Preise für Edelmetalle in die Höhe, so dass der Ausbau auf etwas niedrigerem Niveau fortgetrieben wurde. In Peru verdoppelte sich die genehmigte Fläche in vier Jahren, in Kolumbien sind für mehr als 40 Prozent der Landesfläche Konzessionsanträge gestellt. In Argentinien verachtfachte sich die Zahl der Bergbauprojekte zwischen 2003 und 2007.

Proportional mit diesem Ausbau nahmen die sozioökonomischen Konflikte zu. Viele Gemeinschaften verloren den Zugang zu seit langem nachhaltig und entsprechend den Gewohnheitsrecht genutzten Ressourcen. Der Bergbau verbraucht viel Wasser und hat sowohl der Landwirtschaft als auch der städtischen Bevölkerung den Zugang zum Wasser erschwert. Dies ist oftmals Auslöser für Konflikte, auch weil der Bergbau die traditionelle Spiritualität der Einheimischen zerstört. Es ist ihr Land und nicht nur einfach etwas, das Bodenschätze bedeckt. Es versorgt sie mit Holz, Früchten, Pilzen und anderem und ist zugleich die Heimat der Geister. Die heiligen Orte nicht mehr aufsuchen zu können, bedeutet den Tausch eines Lebens mit Sinn gegen ein Leben des Verbrauchs und des Marktes. Archäologische Stätten, Friedhöfe und Kulturgüter werden zerstört.
Ebenfalls gefährlich ist der Bergbau für die Umwelt, nicht nur für Flüsse, sondern auch für die Hochandengletscher, die essenziell für die Erhaltung der Ökosysteme der Andentäler sind. Und in den Kratern, die die Bergbaugebiete hinterlassen, verschwinden oft ganze Arten. Geschätzt gehen zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs auf den Bergbau zurück, der somit erheblich zur Klimaerwärmung beiträgt.

Menschen werden von ihrem Land vertrieben und altes Wissen über Anbaumethoden, Bodenschutzmaßnahmen und Anbaurhythmen geht verloren. Eine ethisch-moralische Abwärtsspirale von Korruption und Wirtschaftskriminalität entsteht. Der Widerstand gegen das bergbaulastige Entwicklungsmodell ist für die Betroffenen Gemeinden kein Widerstand gegen die Entwicklung, sondern ein Kampf um die Wiedererlangung ihrer Rechte.

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