Hallo und Willkommen in meinem Blog

Ich habe mir lange überlegt (naja, ernsthaft eigentlich nur 30 Stunden, da die Entscheidung für WordPress dann doch sehr plötzlich fiel), womit ich anfangen soll, so als ersten Beitrag in meinem Blog. Es soll hier ja hauptsächlich um piratisches gehen. (Wer mich nicht kennt: ich rede von der Piratenpartei, nicht von der Seefahrt.)
Womit also anfangen? Mit Creative Commons? Etwas Parteiliches, so wie die Diskussion über Liquid Feedback (zwei tolle Beiträge hier: https://streetdogg.wordpress.com/2011/04/22/the-tale-of-liquid-feedback/http://demokratiepiraten.blogspot.com/2011/04/der-sinn-und-zweck-von-delegationen.html )?

Aber dann habe ich mir gedacht: LennStar, du solltest am Anfang anfangen (deshalb wirds auch ziemlich lang). Und der Anfang alles piratischen für mich, sofern es ihn überhaupt gibt, liegt wohl bei Escaflowne. Genauer: Tenkuu no Escaflowne. Escaflowne von den Himmeln, wie die deutsche Übersetzung ist. Das ist ein Anime aus dem Jahre 1996 (Für Anime–Fans: Das ist ein Jahr nach NGE). Er hatte weitreichende Auswirkungen auf mich.
Dabei hätte ich ihn um ein Haar nicht gesehen. Es lief damals noch was anderes im Fernsehen, das ich sehen wollte. Ich habe also die ersten fünf Minuten Escaflowne angeschaut und dann umgeschaltet, weil es sehr… mädchenhaft anfing. Dann, in der Reklamepause, habe ich zurückgeschaltet. Da war dann schon mehr los Richtung „shounen“ (Jungs). Typ mit Schwert, der auf einen Drachen einprügelte.
Ich möchte jetzt keine langen Loblieder auf Escaflowne halten, die könnt ihr auch im Netz finden. Nur dieses: Ich denke, gerade diese gut abgewogene Mischung ist es (neben vielen anderen Dingen), die Escaflowne bei beiden Geschlechtern so beliebt gemacht hat.
Bekannt ist Escaflowne vor allem für seine fantasievolle Welt, die spitzen Nasen, die eigenst entworfenen Tarotkarten und die Musik (für Anime-Fans in kurz: Musik by Yohko Kanno, weiterlesen nächster Absatz) Der Escaflowne-Chor ist wirklich toll, die Musik ist vom Warschauer Sinfonieorchester eingespielt und komponiert von Yohko Kanno. Gesungen sind einige Lieder von Maaya Sakamoto, doch zu dieser komme ich noch.

Welche Bedeutung hatte dieser Anime nun für mich (außer dass ich jede Folge gesehen habe, so lange er lief, ich glaube vier Mal wurde die Serie ausgestrahlt)?
Zum einen hatte ich endlich etwas, wozu ich dieses neue Ding namens Internet gebrauchen konnte! (Es war 2003!). Escaflowne hat unter vielem zu meiner ersten Anmeldung in einem Forum geführt.
Zum anderen habe ich angefangen, Fanfictions dazu zu schreiben. Viele. Hab auch viel Lob dafür bekommen (und ich war schlecht am Anfang! Wie wohl jeder…).
Fanfiction sind natürlich, urheberrechtlich gesehen, verboten (endlich wird’s piratisch ;)). Die meisten davon sind auch schlecht, viele grottig. Aber den Leuten macht es Spaß, sie zu schreiben, und schaden tun sie damit keinem, sofern man niemanden zum lesen zwingt. Sie sind ganz im Gegenteil das, was das Feuer in den Fans über viele Jahre am brennen hält. Viele Mangaka (wahrscheinlich alle) haben mit dem Zeichnen von „Kopien“ angefangen, bevor sie ihre eigenen Mangas gezeichnet haben. Der ich glaube weltgrößte „Büchermarkt“ ist der, auf dem diese „Doujinshi“ verkauft werden. Im Normalfall ohne, dass irgendwelche Rechteinhaber ein paar Tausend Leute vor Ort festnehmen.

Zum anderen bin ich einer Frau verfallen – damals eher einem Mädchen. Maaya Sakamoto, noch heute meine Lieblingssängerin. Sie war mit ihren 16 Jahren gerade neu „entdeckt“ und die Synchronsprecherin der weiblichen Hauptrolle sowie, viel wichtiger, Sängerin des Intros (das sie in der deutschen Ausstrahlung 2003 ausgetauscht hatten, was mich immer noch jedes Mal fuchsteufelswild werden lässt, wenn ich daran denke), sowie Insert-Songs. Als ich das erste Mal ihre Stimme gehört habe, bin ich zum Fernseher gelaufen und habe gemurmelt „wer zum Teufel ist DAS!?“.
Tja, Internet. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke, dass es dich gibt!
Eines ihrer Escaflowne-Lieder ist immer noch meine Nr.1. Es ist das Ending aus dem Escaflowne-Movie (Yubiwa). Eine der ganz, ganz, ganz wenigen Fälle, dass ich wegen einem Film geweint habe. (Und damals noch eine „Internet“ .avi mit einer Auflösung um die 200×150 Pixel ^^) Das Ende war aber auch zu… japanisch. Wer weiß, was ich meine, verstehts und andersrum 😉 Mittlerweile steht die DVD des Films neben denen der Serie. Der Film kam erst vor recht kurzer Zeit in Deutschland auf DVD raus. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Produktion der Serie! Und Januar 2011 kam noch einmal eine neue Collectors Box raus.
Wie gesagt, Escaflowne war und ist immer noch sehr beliebt – zumindest bei den inzwischen älteren Semestern.

Über die Film-DVD hab ich mich sehr gefreut. Über die DVDs der Serie, die ich mir vorher zulegen konnte, nicht. Da waren nämlich 2 der 6 Stück sehr schnell kaputt (pünktlich nach Ablauf der Garantie). Mit sichtbarer Verfärbung. An einem Lagerfehler bei mir lags nicht.
Damit begann mein Interesse an dem, was man Privatkopie nennt und damit auch meint. Ich habe nach einem Programm gesucht, mit dem ich meine noch intakten DVDs kopieren konnte (im Computer ging es bis auf eine Folge noch, als mein DVD-Spieler eine Scheibe schon fast komplett nicht mehr wollte).
So stieß ich auf CSS. Und DeCSS. Und ein Programm, das man inzwischen wohl nicht mal mehr benennen darf, das es aber immer noch gibt, in der deutschen Version aber ohne DeCSS.
Damals bin ich das erste Mal richtig sauer geworden über „Kopierschutz“, der ja auch vom Prinzip her eigentlich ein Ausführungsverhinderer ist. (Starforce, wegen dem ein Drittel der Computerspiele plötzlich nicht mehr gingen, war ein wenig später.)
Ach ja, ich stieß komischerweise nicht auf Kazaa oder emule oder sowas. Obwohl ich irgendwann später zwei Escaflowne-Musik-CDs bei Amazon gesehen habe, für je mehr als 50€. Für nen Studenten mit 270€ BaFöG nicht drin. Später habe ich sie für mehr als 30€ pro Stück gekauft, das war noch teuer genug. Wieder später gab es Paypal und CDJapan und mittlerweile habe ich alle Maaya-Alben im Schrank stehen. Nachdem ich die ersten vorher probegehört hatte über irgendein nicht-emule. Inzwischen bestelle ich Maaya immer schon vor.

Weder die Escaflowne-Musik-CDs noch die ganzen Maaya-CDs hätte ich mir je gekauft, wenn ich sie nicht vorher runtergeladen hätte. Geschweige denn die sündhaft teure DVD der Konzertaufzeichnung.

Das waren die Ursprünge des „Urheberrechts“-Teils meiner piratischen Überzeugungen. Die anderen Grundlagen sind leider viel diffuser.
Viel davon hat mit Korruption zu tun.
Anderes mit dem Gebashe auf Hartz-4-Empfänger. Insbesondere, seit ich selbst einen der sogenannten „1-Euro-Jobs“ erleben durfte, und dort u.a. Leute traf, deren „Maßnahme zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt“, deren „strukturierter Tag“, deren „etwas Sinnvolles tun“ darin bestand, ausgedruckte Bilder auszumalen. Für Kindergärten, wurde mit gesagt. (In der guten alten DDR – ich war noch ein halbes Jahr Pionier – haben die Kinder das noch selbst gemacht. Was für eine grausige Vorstellung!) Ich durfte Sachen machen, die schon mindestens drei andere gemacht hatten (Was, immerhin, beim Bilderausmalen nicht möglich ist.).
Wieder anderes von meiner Empörung kommt daher, um ein Zitat zu gebrauchen, dass man heute von allem den Preis kennt, und von nichts den Wert.

Es ist meine Überzeugung, dass dies – die absolute Fixierung auf den Preis – Grundlage für viele Probleme ist. Korruption. „Burn-Out“ aus Angst vor dem Jobverlust. Psychische Störungen bei denen, die keine Arbeit haben, weil sie „nichts mehr wert sind“. Die Urheberrechtsgesetze u.a. Monopolrechte, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind (Ich sehe die Horden von toten Schriftstellern vor mir, die aus ihren Gräbern wiederauferstehen, um neue Werke zu schaffen, weil nicht nur ihre Enkel, sondern jetzt auch ihre Urenkel weiterkassieren dürfen! (Wenn die Rechte nicht wie im Normalfall an vollkommen fremde Leute verkauft wurden.))

Gegenbewegungen dazu gibt es viele. Open Source, Open/Free Acces, Creative Commons. Wikpedia und Openstreetmap. In gewisser Weise die verschiedenen Umweltbewegungen. Guerilla Gardening. Die Commonsbewegung. Und viele, viele mehr. Nicht zuletzt die Piratenpartei, deren zukünftiger Weg wie so vieles im Dunkeln liegt.

Ich hoffe, mit diesem Blog zumindest an einigen wenigen Stellen ein bisschen Licht werfen zu können auf den Pfad, der noch vor uns liegt. Er hat es bitter nötig. Wünscht mir Glück.

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