…und wer surft, kriegt vorgeschlagen.

Heute geht es hier um die Vorschlagsmaschine Suggy. „Vorschlagsmaschine?“ höre ich eure verwirrten Gedanken. Und „Wie wird das ausgesprochen?“ (Die Antwort: vom englischen suggest ungefähr wie sadjest, wer Lautschrift kann, kanns auf der Webseite nachlesen: www.suggy.com ). Ich möchte daher versuchen, euch zu erklären, was das ist. Ich habe dazu auch ein Interview mit zwei Beteiligten gemacht.

Bei einer Suche in einer normalen Suchmaschine gebt ihr ein paar Wörter ein, von denen ihr vermutet, dass sie euch zum Ergebnis führen. Was hat das mit Suggy zu tun? Gar nichts, und das ist der Punkt.
Suggy sucht nicht nach bestimmten Seiten, für die ihr Wörter vorgebt. Suggy findet Seiten, die den Seiten ähnlich sind, die ihr besucht habt. Das heißt, Suggy ist ungeeignet, wenn man sich eines Tages entschliefen sollte ein Haus zu kaufen, durch ein paar schnelle Klicks die entsprechenden Seiten zu finden. Aber falls ihr mehrere Seiten besucht, die sich mit Häuserkauf beschäftigen, dann wird euch Suggy nach einiger Zeit weitere passende Seiten finden, die ihr noch nicht besucht habt. Und das unabhängig von irgendwelchen Pageranks. Mag sein, dass hundert professionelle Makler eure Google-Suchergebnisse dominieren – bei Suggy wird euch auch der Privatmann vorgeschlagen, der euer Traumhaus hat.
Zumindest ist das der Anspruch.
Natürlich kann man auch manuell Suchbegriffe eingeben (ein manuelles Thema erstellen) und sich etwas vorschlagen lassen, aber das dauert deutlich länger als eine herkömmliche Suche und bringt – meinen drei Versuchen zu Folge – deutlich schlechtere Ergebnisse als z.B. bei Google.

Die Idee zu Suggy enstand „der Legende nach“ bei einem Restaurantbesuch, bei dem der Kellner einfach das Lieblingsessen brachte. Er kannte seine Gäste und wusste, was sie wollten. Sowas sollte doch auch bei Suchmaschinen möglich sein, war der Gedanke. Denn herkömmliche Suchmaschinen waren (und sind immer noch) reichlich schlecht bei Zusammenhängen.

Sehr schlecht war Suggy auch am Anfang. Das lag am kleinen Webseitenindex – die Vorschläge funktionierten, nur hatte Suggy nicht sehr viel zum Vorschlagen. Inzwischen soll sich das deutlich geändert haben. Dennoch sind die Entwickler dort sehr erfreut, wenn ihr, bei Problemen, diese meldet. Dafür gibt es auf jeder Seite von Suggy links ein aufklappbares Feld. Was ich persönlich ganz toll finde, denn ich bin ein notorischer Fehlerfinder und Vorschlägemacher.

Doch kommen wir einmal zu ein paar harten Fakten, die ich hier kurz wiedergeben werde, um mich nicht tot zu tippen.
Suggy ist momentan erhältlich für Internet Explorer, Firefox und Chrome. Auf den 20 Servern tummeln sich inzwischen 5000 Leute (offen seit – kein Scherz – 1. April). Geld nimmt Suggy nicht ein, und es ist auch nicht geplant, zukünftig Werbung einzublenden. Das ganze Team arbeitet momentan aus Spaß an der Freud an Suggy und lebt vom eigentlichen Beruf.

Zu der Vorschlagsmaschine gehören auch Funktionen, wie man sie von sozialen Netzwerken kennt. Man kann anderen Nutzern Nachrichten schicken, sich ihre Profile und Themen ansehen (falls sie das erlaubt haben) und sogar über Themen eine Diskussion starten, über die dann alle informiert werden, die sich ebenfalls dafür interessieren. Und da die Maschine ohnehin feststellt, wer sich auch für mein Thema X interessiert, bekommt man diese Leute auch angezeigt.

Datenschutz: Dies alles klingt natürlich sehr interessant für alle Datensammler. Von daher die Aussagen der Suggy-Leute zum Datenschutz hier kompakt:
Sie werden die Nutzerdaten nicht verkaufen. Physisch Zugang zu ihnen haben nur zwei Leute (Admins). Nach eigenen Angaben ist Suggy sehr um den Datenschutz bemüht. Facebook und Twitter-Buttons sind nur für das leichtere Einloggen da, wer die Domains also blockt verliert keine Funktionalität außer dieser. Google Analytics wird für die eigene Neugier verwendet. So zeigt sich, dass sich trotz der recht hohen Hürden 10% der Besucher anmelden. Für diese Anmeldung sind nur Nickname und email erforderlich. Löschen kann man seinen Account unter Datenschutz.
Standardmäßig sind Profil und Interessen sichtbar, dies kann man getrennt ausstellen. Man kann sogar für ausgewählte Nutzer einstellen, was diese sehen. Das Datensammeln des Suggy-Plugins kann durch einen Mausklick ein- und ausgestellt werden und es können Domain-Blacklists erstellt werden, die dann nicht in die Interessenbewertung einfließen. Achtung: Die gesammlten Daten werden unverschlüsselt übermittelt, daran wird gearbeitet. Die erstellten Themen werden maximal ein halbes Jahr gespeichert.

Ich werde hier kein Fazit ziehen, nur kurz meine Erfahrung mit zwei relativ exotischen Themen: Dort hat Suggy teils gut, teils schlecht abgeschnitten. Schlecht in dem Sinn, dass es Seiten nicht gefunden hat, die bei einer Suchmaschine mit den selben Wörtern ganz oben standen. Oder sehr weit unten aber sehr relevant, was ja Suggys Ziel ist, diese vorzuschlagen. Ein paar wurden gefunden, andere nicht. (Man muss beachten, dass die gesamte Stichprobe nur aus 3 Themen plus manuelle Versuche zu zwei dieser Themen besteht, also kaum repräsentativ ist!)
Funktioniert hat dies aber immerhin über Sprachgrenzen (zum englischen) hinweg, was wahrscheinlich an Namen lag.

Bericht in der MZ über Suggy:

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1300342876638&openMenu=1121028317516&calledPageId=1121028317516&listid=1121028317474

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