Beitrag 23 – Wasser ist Gemeingut

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 23 – Wasser ist Gemeingut

Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, werden im Jahr 2030 nur noch ein Zehntel der tropischen Wälder und der großen Fische in den Weltmeeren übrig sein. Nicht viel besser sieht es mit den Feuchtgebieten aus. Flüsse und Seen werden verschmutzt und Wasservorkommen werden schneller abgebaut, als sie aufgefüllt werden. Verschmutztes Wasser ist weltweit die Haupttodesursache für Kinder. Der absehbare Mangel an Nahrungsmitteln und Wasser führt zu einem verstärkten Aufkaufen von Land, Wasserrechten, Ackerflächen und Wälder in einer neuen Form des Kolonialismus.

Verstärkt wird dies durch eine immer intensivere Ressourcenausbeutung, Privatisierung von allem und der Fixierung auf ein ungebremstes Wachstum.
Für die Umweltbewegung gibt es zwei Probleme: zum einen haben sich die meisten Umweltgruppen dem dominanten Entwicklungsmodell angeschlossen oder sehen keinen Weg, es zu ändern. Das zweite Problem ist das Einzelkämpfertum der Gruppen, die sich nicht mit anderen zusammentun.
Die Umweltbewegungen auf der einen Seite setzen sich mit den Gerechtigkeitsgruppen zusammen am zu einer neuen Form der Regierungsführung zu verschmelzen, die sowohl den Menschen als auch der Umwelt ein Überleben ermöglicht und die Früchte der Ökosysteme gerecht verteilt. Dazu bedarf es einer Rückbesinnung auf das Konzept namens Allmende bzw. Commons

Nach der Vorstellung der Commons hat jeder ein Anrecht auf bestimmte gemeinsame Ressourcen, einfach deshalb, weil er oder sie Mitglied der menschlichen Familie ist. Aus der alten Vorstellung, dass niemandem Nahrung, Luft, Land, Wasser oder die für die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts unerlässlichen Mittel verweigert werden dürfen, entstanden die modernen Systeme der Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist ein Beispiel für diese Gedanken.
Reaktiviert und ausgeweitet werden muss außerdem die Public-Trust-Doktrin, nach der Regierungen natürliche Ressourcen im Interesse des Allgemeinwohls zu schützen haben. Kodifiziert hat das bereits der oströmische Kaiser Justinian im Jahr 529 und heute noch wird dieser Grundgedanke verwendet.
Die natürliche Welt benötigt einen eigenen Rechtsrahmen: ein Recht der Wildnis. In diesem wird die Ausbeutung der Natur eine demokratische Beziehung mit anderen Lebensformen ersetzt. Ausbeutung der Natur wäre gesetzeswidrig. Die Natur selbst – die Ökosysteme und Lebensformen – würden das Recht auf Leben und den damit einhergehenden Schutz erhalten.
Denn wir alle sind Verwalter und Beschützer von allem Lebendigen in der Welt. Oder um es mit Gandalf zu sagen: Kein Reich beherrsche ich. Doch alles, was Wert hat in der Welt, das steht unter meinem Schutz. Denn auch ich bin ein Truchsess.

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Erst vor kurzem gab es einen öffentlichen Protest, als die EU sich anschickte, die Wasserversorgung in Europa in den Privatisierungswahn einzuschließen. Nicht nur viele Stadtwerke protestierten.
Jetzt kann man geteilter Meinung sein, ob das deutsche Wassernetz – und vor allem das Abwassernetz – effektiv ist. Überdimensionierte Kläranlagen sind schon seit Jahren und werden für Jahre Streitthema sein. Aber man kann wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Privatisierung die Situation auf lange Sicht nicht verbessern wird.
Private Konzerne wollen Geld machen. Das führt bei Monopolstellungen erfahrungsgemäß entweder zu steigenden Preisen (in Armenregionen müssen Menschen teils die Hälfte ihres Einkommens für Wasser ausgeben) oder zum Nutzen der Infrastruktur auf Verschleiß.

Der Wassermarkt ist einer der größten der Welt. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass es in diesem Jahrhundert vermehrt Wasserkriege geben wird. Wasser ist Leben. Ohne Wasser gibt es keine Hoffnung und keinen Frieden.

Auch wir Deutschen verbrauchen Wasser in den Regionen, die schon wenig oder gar zu wenig haben. Und das massenhaft. Denn die Produkte, die wir konsumieren, verbrauchen bei der Herstellung Unmengen an Wasser. Dieses Wasser nennt man virtuelles Wasser http://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Wasser

Film: Der Konzern Nestle und das Wasser:
Arte-Webseite
Youtube – Bottled Water

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