Beitrag 22 – Bauprojekte bedrohen Gemeingüter

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 22 – Bauprojekte bedrohen Gemeingüter

Der Bergbau in Südamerika expandierte stark den 1990er Jahren. Eine gestiegene Nachfrage und die Finanzkrise trieben die Preise für Edelmetalle in die Höhe, so dass der Ausbau auf etwas niedrigerem Niveau fortgetrieben wurde. In Peru verdoppelte sich die genehmigte Fläche in vier Jahren, in Kolumbien sind für mehr als 40 Prozent der Landesfläche Konzessionsanträge gestellt. In Argentinien verachtfachte sich die Zahl der Bergbauprojekte zwischen 2003 und 2007.

Proportional mit diesem Ausbau nahmen die sozioökonomischen Konflikte zu. Viele Gemeinschaften verloren den Zugang zu seit langem nachhaltig und entsprechend den Gewohnheitsrecht genutzten Ressourcen. Der Bergbau verbraucht viel Wasser und hat sowohl der Landwirtschaft als auch der städtischen Bevölkerung den Zugang zum Wasser erschwert. Dies ist oftmals Auslöser für Konflikte, auch weil der Bergbau die traditionelle Spiritualität der Einheimischen zerstört. Es ist ihr Land und nicht nur einfach etwas, das Bodenschätze bedeckt. Es versorgt sie mit Holz, Früchten, Pilzen und anderem und ist zugleich die Heimat der Geister. Die heiligen Orte nicht mehr aufsuchen zu können, bedeutet den Tausch eines Lebens mit Sinn gegen ein Leben des Verbrauchs und des Marktes. Archäologische Stätten, Friedhöfe und Kulturgüter werden zerstört.
Ebenfalls gefährlich ist der Bergbau für die Umwelt, nicht nur für Flüsse, sondern auch für die Hochandengletscher, die essenziell für die Erhaltung der Ökosysteme der Andentäler sind. Und in den Kratern, die die Bergbaugebiete hinterlassen, verschwinden oft ganze Arten. Geschätzt gehen zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs auf den Bergbau zurück, der somit erheblich zur Klimaerwärmung beiträgt.

Menschen werden von ihrem Land vertrieben und altes Wissen über Anbaumethoden, Bodenschutzmaßnahmen und Anbaurhythmen geht verloren. Eine ethisch-moralische Abwärtsspirale von Korruption und Wirtschaftskriminalität entsteht. Der Widerstand gegen das bergbaulastige Entwicklungsmodell ist für die Betroffenen Gemeinden kein Widerstand gegen die Entwicklung, sondern ein Kampf um die Wiedererlangung ihrer Rechte.

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