Beitrag 20 – transgene Versprechen

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 20 – transgene Versprechen

Gentechnik ist das Gegenteil von nachhaltiger Landwirtschaft. Die Gentechnik externalisiert alles, was Grundlage der Nachhaltigkeit ist: Saatgut, Schädlingsbekämpfung und das gemeinsame Wissen über Landwirtschaft. Die Gentechnik ist daher mehr Politik als Wissenschaft.
Dennoch bezeichnet sie sich selbst als nachhaltig und wichtig für die globale Ernährungssicherung. Doch stimmt das? In USA ist fast der ganze angebaute Soja und Mais gentechnisch verändert. Der Sojaertrag stieg zwischen 1995 und 2005 nicht einmal um ein Prozent, obwohl hier der meiste konventionelle Soja ersetzt wurde. Der Spitzenwert von 1994 wurde 2009 sogar um ein Zehntel unterboten. Auch in den Jahren dazwischen lag der Ertrag nicht höher. Selbst Monsantos Round Up Ready Soy schnitt im Vergleich nicht gut ab. In acht Bundesstaaten wurde der Vergleich mit herkömmlichen Soja gemacht, in sieben Staaten verlor Monsantos Produkt.
Bei Mais sieht es etwas besser aus, aber auch nicht überragend. Von 1995-2008 stieg der Ertrag um 7%. Das ist nicht gerade ein Wachstumswunder, sondern liegt im Bereich der ganz normalen Ertragserhöhungen.
Mehreren Studien zufolge liegt die geringere Produktivität gentechnisch veränderter Pflanzen hauptsächlich an dem zusätzlichen Energieaufwand, der nötig ist, um die zusätzlichen Eigenschaften auszubilden.

Wie sieht es beim Pestizideinsatz aus?
Mehr als die Hälfte der gentechnisch veränderten Kulturpflanzen wird in den USA angebaut. Doch im Vergleich zum Rest der Welt ging dort während des Zeitraums der Einführung der gentechnisch veränderten Pflanzen der Pestizidverbrauch nicht deutlich zurück. (Hinweis LennStar: Korrelation oder gar Kausalitäten halte ich hier für sehr schwierig festlegbar.)
Auch bei der Bt-Baumwolle in Indien sieht die Bilanz verheerend aus. Die Anbaukosten stiegen zwar deutlich, die Erträge jedoch so gut wie gar nicht. Der Pestizideinsatz hat sich nicht verringert und die Kleinbauern verdienen weniger. In einer fünfjährigen Studie erzielten Bauern mit konventioneller Baumwolle ausnahmslos höhere Erträge. In einem Jahr machten Bt-Bauern sogar Verlust, was auch von der Universität Hannover in einer eigenen Studie bestätigt wurde. Zu den finanziellen Verlusten kamen Gesundheitsschäden und eine langfristige ökologische Zerstörung. Es ist sogar möglich, dass die Bt-Baumwolle bestimmte Pflanzenkrankheiten und Schädlinge befördert. Auch starben Schafe und Büffel, die von den übriggebliebenen Baumwollstängeln gefressen hatten. Nach massiven Protesten der Bauern und einer eigenen Untersuchung verbot Andhra Pradesh Monsanto-Saatgut, das Verbot wurde später auf äußeren Druck wieder aufgehoben.

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Vor kurzem lief auf arte eine Doku, die diese Sachen (bzw. Alternativen) zum Inhalt hatte. So wurde u.a. vom Push-Pull-Prinzip berichtet. Nach diesem werden Pflanzen um das Feld (hier mit Mais) angepflanzt, die Schädlinge anziehen. In das Feld kommen Schädlings-abstoßende Pflanzen. Diese werden untergepflügt und düngen den Boden. Schon nach 3-4 Jahren hat sich dieser merklich verbessert. Der Ertrag wird mindesten verdoppelt, ohne (erdölbasiertem!) Dünger und Pestizide.
In einer Untersuchung, die in den USA bereits seit einem Vierteljahrhundert läuft, wird dem ökologischen Anbau ein gleicher oder sogar besserer Erfolg als der „herkömmlichen“ Methode bescheinigt.

Wie reagiert die Politik darauf?

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