Von Arbeitgebern und Arbeitnehmern

Sie streiten und kämpfen – gegeneinander. Sie bilden Verbände und andere Gruppierungen – untereinander. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen oft auf gegensätzlichen Seiten, wo sie doch aufeinander angewiesen sind – allerdings nur als Gruppe, und da liegt das Problem. Ein anderes in der fehlenden Machtbalance. Das zeigt sich auch in der Sprache, in ihren Bezeichnungen.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Was daran jetzt Machtverhältnisse darstellen soll, fragt ihr euch?
Das Problem liegt weniger in den Bezeichnungen (kein Vergleich zu den „Human Ressources“, die klingen, als wären Familienväter und -Mütter so auswechselbar wie eine Glühlampe, sofern man von den verbotenen Dingern noch welche auf Lager hat), das Problem liegt vielmehr darin, wer wie benannt ist.

Erinnern wir uns an den Physikunterricht: Was ist Arbeit? Laut Wikipedia (hey, der Physikunterricht ist bei mir auch schon ein knappes halbes Leben entfernt!), offenbar schwer zu definieren, ist Arbeit die „Energie als die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten“.
Naja.
Also Arbeit wird verrichtet, die Bedeutung liegt in der Verrichtung.
Wer verrichtet denn die Arbeit? Der (heute so genannte) Arbeitgeber oder der (heute so genannte) Arbeitnehmer? Der Arbeiter (wie man ihn früher einfach nannte) natürlich. Der andere Typ möchte etwas erledigt haben und hofft, dass es ein anderer tut.
Nicht umsonst sprechen wir ja von Arbeitsmarkt. Auf einem Markt wird immer getauscht. Auf dem Arbeitsmarkt handelt es sich um Arbeit(skraft) und Geld. Niemand gibt Geld aus, um Arbeit verrichten zu dürfen, außer Praktikanten und andere an ein höheres, weit entferntes Ziel Glaubende. Einer gibt Geld, ein anderer gibt für das Geld seine Arbeit.

Der eigentliche Arbeitgeber ist also der, der Geld bekommt, um in der Lage zu sein, für den Geldgeber eine Arbeit verrichten zu können. Der eigentliche Arbeitnehmer ist der Geldgeber.
Warum also heißen die beiden Akteure nicht Geldgeber und Arbeitgeber? (Oder Geldnehmer und Arbeitnehmer?)
Wahrscheinlich weil geben seliger als nehmen ist. Irgendwann hat dies dann mal einer in Worte gegossen. Ihr könnt alle mal raten, ob das ein Arbeit-geber oder ein Arbeit-nehmer war.

Dieser Beitrag wurde unter Neu&Anderssprech abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.