Beitrag 18 – Allmende – von Grund auf eingehegt

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.
Acker

Beitrag 18 – Allmende – von Grund auf eingehegt

Der Begriff der Commons hat Karriere gemacht, vor allem durch Garett Hardins Aufsatz „Die Tragik der Allmende“. Doch ist die historische Analogie überhaupt auf die Gegenwart anwendbar?
Die historischen Commons waren keineswegs für alle offen. Es gab vielmehr klare Regeln, wer unter welcher Art eine Ressource nutzen durfte. Elinor Ostrom wiederum griff in ihrer Analyse statt auf eine Eigentumskategorie auf den Ausdruck „common-pool Ressource“ zurück. Sie unterscheidet frei zugängliche von zugangsbeschränkten Ressourcen. Nur für die frei zugänglichen Ressourcen hält sie Hardins Modell für zutreffend.
Für zugangsbeschränkte Ressourcen muss man verschiedene Eigentumsrechte berücksichtigen. Erstens die Nutzungsberechtigten, die nur das Recht auf Zugang und Entnahme haben; zweitens die Inhaber, die darüber hinaus auch das Recht auf Ausschluss haben; drittens die Besitzer, mit zusätzlichen Verwaltungsrechten; und viertens die Eigentümer, denen schließlich auch das Recht auf Veräußerung zusteht.
Diese Bündel von Rechten ermöglichen eine Hierarchie.

Vor der Abgaberevolution wurde der Boden in zwei Intensitäten genutzt. Einmal intensiv genutztes Acker- und Wiesenland, zum anderen extensiv bewirtschaftete Weide- und Waldland, das in gemeinschaftlichen Besitz war, also eine Allmende. Mit dem Anbau von Futterpflanzen konnte das Vieh im Stall gefüttert werden. Die Allmende wurde eingehegt, die Waldweide abgeschafft und die Wälder privatisiert und der intensiven Holzwirtschaft zugeführt. Diese Umstellungen erforderten Saatgut, Zäune, Ställe und neues Gerät. Das bevorteilte Großbauern und behinderte Kleinbauern. Die Kleinbauern verschwanden und wurden zu Landarbeitern in den Großbetrieben. Wie sehr das geschah, ist von Ort zu Ort stark unterschiedlich.

Allmenden wurden genossenschaftlich betrieben. Wer Acker besaß, konnte sein Vieh auf der Allmende grasen lassen. Nach der Ernte wurde das Vieh auf den Acker getrieben, um ihn zu düngen. Über den Winter wurde also auch der private Acker zur Allmende. Wenn die Viehmenge zu groß wurde oder der Holzeinschlag im Wald, wurden vom Dorf Regeln und Kontingente erlassen. Die Genossenschaft baute und versorgte auch Gemeinschaftseinrichtungen wie Schmiede und Hirtenhaus. Zu derartigen Zwecken konnte sie auch Allmendgrundstücke veräußern.
Arbeitskräfte ohne Ackerbesitz, die kein Eigentumsrecht an der Allmende hatten, durften diese dennoch nutzen. Die oberste Norm dieser genossenschaftlichen Gemeinschaft war der gemeinsame Nutzen. Diese Norm wurde auch zu einer Forderung gegenüber Staat und Kirche. [Zusammenhang zu „Eigentum verpflichtet“ und einer lebhaften Dorfgemeinschaft? LennStar]

Der Gemeingutsbegriff von heute bezieht sich auch auf natürliche Ressourcen mit freiem Zugang. Kann die Idee des Gemeineigentum Gegenwartsprobleme lösen? Die Parallelen sind deutlich: die Fischereisaison hat eine Parallele in der Weidesaison auf den Allmenden, die nationalen Fischereizonen mit ihren Grenzen sind analog dem Weideland eines Dorfes, und die Fangquoten sind wie die Beschränkung der Anzahl des Viehs auf der Allmende.

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