Beitrag 15 – Das Commoning von Mustern und das Muster von Commoning

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 15 – Das Commoning von Mustern und das Muster von Commoning

Beim Bau eines Hauses müssen viele Dinge berücksichtigt werden, sei es die Nachbarschaft, Grünflächen in der Nähe, die Einstrahlung der Sonne oder die Aufteilung der Räume.
An jedem Punkt gibt Tausende mögliche Fehler und nur wenige Möglichkeiten, es richtig zu machen. Um diese zu erkennen und zu kombinieren wurden von Christopher Alexander die so genannten Patterns in die Architektur eingeführt.
Laut Alexander funktioniert gute Architektur deswegen, weil sie die richtigen Problemlösungen erkennt. Wichtig ist, was mit den Bedürfnissen und Anforderungen harmonisiert und selbst Wohlbefinden erzeugt. Eine solches Pattern ist also eine bewährte Lösung für ein häufiges Problem.
Diese Methodik kann auf andere Bereiche des Lebens übertragen werden. Dabei ist es egal, ob es sich um physikalische Strukturen oder Denkmuster handelt. Im besten Fall ergänzen sich solche Muster und bilden ein Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Und wenn jeder die „Grammatik“ versteht, in denen solche „Wörter“ verbunden werden können, können selbst Nicht-Experten in praktischen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen. In manchen Teilen des Lebens sind diese Muster bereits erfolgreich übertragen worden, zum Beispiel in der objektorientierten Programmierung. Weitere Übertragungen scheinen bevorzustehen.
Auf der anderen Seite gibt es auch Muster, die schaden. So bauen dann Stararchitekten unwohnliche Gebäude.

Für Commons sind diese Muster ein zentrales Thema. Erstens sind sie ein gemeinsamer Nenner für soziale und kulturelle Praktiken. Dank ihnen können wir generalisieren, was funktioniert.
Zweitens: Aufgrund der Automatisierung bewegen sich Arbeit und Kapital allmählich auseinander. Es ist lohnender, Eigentumsrechte an Grundmustern geltend zu machen als selbst zu produzieren. Dann kann man lukrative Fallen stellen: Wettbewerber behindern oder gar verbieten, diese zum Erwerb von Lizenzen zwingen oder Gene patentieren.
Drittens ist auch das Commoning ein Satz von Grundmustern. Die vielen Formen des Commoning sind die Wörter, in der sich eine Sprache der Grundmuster des Commoning manifestiert.

Grundmuster-Gemeinschaften reflektieren ständig über ihr Tun. Sie sind selbst organisierte Gesellschaften des Lernens, des Wissens und der Selbstbestimmung. Das Identifizieren und Präsentieren der Grundmuster funktioniert nur, wenn das soziale Interesse daran sich selbst organisieren kann. Die Frage lautet daher: Wie müssen wir leben und welcher Logik müssen wir folgen, um dauerhaften Wissensaustausch, großzügiges Teilen und Weiterentwickeln guter Lösungen zu erreichen? Und was kann dies verhindern?

Wichtig dabei ist die passive Kompetenz: man kann verstehen, was ein Experte tut, ohne selbst Experte zu sein. Dafür ist Bildung notwendig. Aber wie soll die Selbstorganisation in einem Commons geschehen?
Ein sich immer weiter vertiefender Prozess der Exploration, in dem Individuen ihrer Rollen und Nischen in einem System gegenseitiger Abhängigkeiten entdecken: dies verfolgt die Transition-Bewegung. Sie hat einige Eigenschaften aufgelistet: die Bewegung verbreitet sich wie ein Virus, ist Open Source, selbstorganisierend, Lösungsorientiert, iterativ, klärend (er- und aufklärend, auf wisseschaftlichen Erkenntnissen), sensibel hinsichtlich Ort und Maßstab, historisch (historische Gelegenheit) und vor allem: mit Freude.

Ein Grundmuster, wie es auch im Medizinrad der amerikanischen Ureinwohner zu finden ist, ist der Kreis. Der Kreis behandelt alle Belange und Bestrebungen als gleichwertig. Es geht um Prüfung, Bestätigung und Innovation von sozialen Praktiken. Der Kreis zwingt Menschen mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit aus einer klaren Perspektive heraus zuzuhören und zu sprechen. Der Kreis fügt in folgender Reihenfolge Kreativität, die Realität, Emotion, Ziele, lernen, Voraussicht und die Notwendigkeit für Klarheit zusammen damit, dass alle Stimmen gehört und in Erwägung gezogen worden sind.
Ein solches Grundmuster und darauf aufbauende Mustersprachen könnten uns helfen, die Commons-Praktiken zu verbessern. Das gegenwärtige ökonomische und politische Denken hat Probleme geschaffen, statt sie zu lösen.

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Ein Kommentar zu Beitrag 15 – Das Commoning von Mustern und das Muster von Commoning

  1. Danke für die Zusammenfassung! Mein einziger Moment des Innehaltens war dort als beschrieben wurde, wie Kapital und Arbeit sich scheiden, weil die Arbeit die Mittel ihrer unbeschränkten Vergesellschaftung durch Kommunikation zur Verfügung hat. Dieser Punkt ist so immens wichtig, dass ich darauf noch einmal hinweisen will. Arbeit ist ihrer Essenz nach die Herstellung von Mustern, also die möglichst automatisierte Reproduzierbarkeit von Zielerreichung unter bestimten Bedingungen. Der Gegensatz von Kapital und Arbeit tritt in ein neues Stadium, es ist nicht mehr die formelle oder relle Subsumtion, die unsere Epoche kennzeichnet, sondern die tendenzielle Verselbständigung der Arbeit mit dem Vorbehalt, dass die Kapitalseite weiterhin die Kontrolle über diesen Prozess behält. Das geht von den zahllosen Zuarbeits- und Zulieferklitschen – zumeist in den Peripherien – bis hin zu den Freelancern in den Metropolen. Die wahre Natur der Arbeit – sie ist Eigenarbeit und zugleich Schaffung partizipativer Ressourcen – tritt wieder zutage. Das freilich ernstgenommen würde uns in die Lage versetzen, zu erkennen, dass wir das Kapital eigentlich nicht mehr brauchen. Hier tobt der Kampf, der die Gegenwart so erschüttert, denn das Kapital ist sich dieser Entwicklung viel bewusster als die Arbeiter. Eine Generalprävention gegen Eigenarbeit scheint die ultima ratio seiner Weiterexistenz. Hier strategisch zu arbeiten und die Kapitalseite zu spalten ist die wichtigste politische Aufgabe unserer Epoche.

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