Beitrag 14 – Technik und Commons

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 14 – Technik und Commons

Technik hat komplexe gesellschaftspolitische Auswirkungen. Sie kann Probleme verschärfen oder lösen. Und sie kann unbeabsichtigte Wirkungen erzeugen oder es kann passieren, dass beabsichtigte Wirkungen nicht eintreten.
Die Rolle der Technik ist dabei umstritten. Die eine Seite sagt, dass Technologien einer Gesellschaft ihren politischen Stempel aufdrücken und die weitere gesellschaftliche Entwicklung bestimmen. Die andere Sichtweise ist, dass Technologien von gesellschaftlichen Akteuren genutzt werden, um politische Ziele zu erreichen. Eine neue Maschine kann Facharbeiter überflüssig machen und damit das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitern und Management verschieben. Zum anderen kann versucht werden, direkt auf die Technologiepolitik Einfluss zu nehmen.
Eine dritte Sicht glaubt, dass Technologien politische Wirkung haben, diese Wirkungen jedoch nicht oder nur teilweise auf bewusster Planung beruht. Viel hängt dabei von den Nutzern einer Technik ab: ob diese die Technologie annehmen oder ablehnen, oder sie gar modifizieren und anpassen.
Vermutlich Beeinflussen sich alle Beteiligten auf komplexe Weise gegenseitig.

Jede Technologie hat Schlüsselwirkungen, diejenigen Zwecke, für die sie entwickelt wurde. Die komplexen Veränderungen, die eine Technologie mitbringt, können aber noch weitreichendere Auswirkungen haben als die Schlüsselwirkungen.

Um Zusammenhänge besser zu verstehen, wurden folgende Schlüsselelemente identifiziert:
Erstens die Beteiligten,
zweitens deren Positionen,
drittens die möglichen Ergebnisse,
viertens zulässige Handlungen,
fünftens die Kontrolle, die ein Individuum ausüben kann,
sechstens die zur Verfügung stehenden Informationen,
siebtens Kosten und Nutzen, die möglichen Handlungen und Ergebnissen zugeschrieben werden.

Diese Elemente sind politisch relevant, da jedes Einzelne durch Regeln beeinflusst werden kann. Wir können uns nun fragen, wie die Technik diese Elemente eines Commons beeinflusst.
Die Zahl der Beteiligten kann sich durch neue Transportmittel ändern, was oft zu erhöhtem Ressourcenbedarf führt. Zudem teilen hinzugekommene möglicherweise nicht die Commons-Normen. Die Technologie des Zaunes, einschließlich des Stacheldrahts, ist die Geschichte einer Ausschlusstechnik. In nur sechs Jahren, von 1874-1880, stieg die Produktion von Stacheldraht von fünf auf 40.000 Tonnen. Nicht weniger umstritten ist die moderne Ausschlusstechnik des DRM.
Technik setzt dabei Regeln durch: ein Schild mag „kein Durchgang“ zeigen, durchgesetzt wird die Regel aber durch den Zaun.
Versuche, durch Technologie Arbeitsabläufe zu standardisieren, werden regelmäßig von den Arbeitern umgangen. Die idealisierten, technischen Visionen passen nicht zur Alltagsrealität der Menschen.
Auch bei Wahlen ist die eingesetzte Technologie eine Möglichkeit politischer Kontrolle. Keine der heute eingesetzten Technologien ist unfehlbar. Bezüglich der Schlüsselwirkung kleine Veränderungen, wie der Einsatz von Wahlcomputern, können große Nebenwirkungen haben. Ein Computer ist nicht überprüfbar, erst recht nicht, wenn nicht einmal der Quellcode eingesehen werden kann.
Diese Unsichtbarkeit technischer Operationen kann auch auf anderen Bereichen zum Scheitern einer Technologie führen. Beim gemeinsamen Wassermanagement ist wichtig, das auf den ersten Blick erkennbar ist, wie viel Wasser in jeden Kanal fließt. Wenn bei einer Modernisierung diese Sichtbarkeit verschwindet, werden die Betroffenen diese Änderung nicht akzeptieren. In beiden Fällen ist die einfache und weiträumige Verfügbarkeit von Informationen essenziell. Oft ergeben sich weitreichende Wirkungen, die von den Planern nicht beabsichtigt wurden.

Menschen können die Regeln einer Gesellschaft ändern. Aber sie ändern auch die Ausstattung. So dürfen Fischer in einem Fischgebiet nur mit bestimmten Fischfangtechnologien fischen, um eine Überfischung zu vermeiden. Eine Veränderung dieser Technologien kann neue Beteiligte ins Spiel bringen, Kosten und Nutzen anders verteilen. Die neue Technik ändert Verhaltensweisen, die veränderten Verhaltensweisen beeinflussen die Weiterentwicklung der Technik.
Regeln oder die Steuerung von Verhaltensweisen sind immer politisch. Und durch die Wechselwirkungen gilt das auch für die Technik. Die Reaktion auf eine Technik, egal ob sie technikbasiert, gesellschaftlich oder gesetzlich ist, ist immer politisch.

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