Beitrag 11 – Die Tragik der Anti-Allmende

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 11 – Die Tragik der Anti-Allmende

Die Tragik der Anti-Allmende? Was ist das?
Die Tragik der Allmende bezeichnet die Übernutzung eines nicht verwalteten Gemeinguts. Oftmals erfolgt hier die Lösung, indem privatisiert wird. Doch wenn es zu viele Einzelne gibt, die Eigentum an einer Ressource anmelden, dann kann einer die Nutzung des anderen blockieren. Im schlimmsten Fall kann keiner die Ressourcen nutzen. So können Patente bei verschiedenen Pharma-Unternehmen dazu führen, dass keines ein Heilmittel erforscht.
Eine derart gestaltete Tragik ist meist nicht sichtbar, daher die Bezeichnung der verborgenen Tragik der Anti-Allmende. Zu viel Privatbesitz wird zur Lähmung der Märkte und der Blockierung von Innovationen.

Traditionell gibt es drei Eigentumsformen: Privateigentum, Gemeineigentum und Staatseigentum.
Privateigentum kann als „despotische Herrschaft über externe Dinge der Welt unter Ausschluss aller anderen“ definiert werden.
Gemeineigentum gehört keinem einzelnen Individuum. Bei Open-Access-Ressourcen kann niemand vom Zugang ausgeschlossen werden. Group-Access-Commons sind ein Arrangement, in dem eine begrenzte Anzahl von Rechteinhabern zwar Außenstehende, nicht aber einander vom Zugang zum Gut ausschließen kann. Letzteres ist die vorherrschende Form des Allmendebesitzes.
Bei Staatseigentum gibt es wie beim Privateigentum einen Entscheidungsträger. Zumindest theoretisch sollte dieser die Bedürfnisse der Gesellschaft beachten.

Heute gibt es (scheinbar) meist nur noch die Option zwischen Privat- oder Allmendebesitz. Wohl darauf beruht die kulturelle Blindheit gegenüber den Kosten fragmentierter Eigentumsverhältnisse. Die Privatisierung kann das Problem einer Übernutzung lösen, sie kann aber auch das genaue Gegenteil bewirken: verschwenderische Unternutzung.
Es reicht also nicht, klare Eigentumsrechte zu institutionalisieren. Ebenso wichtig ist der Gegenstand der Eigentumsrechte. Es muss gelingen, das Gleichgewicht zwischen Über- und Unternutzung zu bewahren.

Bei Open-Access-Ressourcen mit freiem Zugang, wie der Hochsee, müssen staatliche Institutionen, zum Beispiel durch Fischfangquoten, die Ressourcennutzung kontrollieren. Beim Anti-Allmende-Gegenstück, dem vollständigen Ausschluss, müssen Staaten fragmentierte Eigentumstitel enteignen oder bündeln.
Bei Ressourcen, die vom Gruppenausschluss betroffen sind, sollten Märkte unterstützt und Kooperationshemmnisse beseitigt werden.

Die Verbreitung des Anti-Allmende-Konzepts hat zu einer umfassenden Beschäftigung mit diesem Thema geführt. Viele kamen zu dem Schluss, dass die Vergabe von Patenten auf Arzneimittel restriktiver gehandhabt werden sollte. Aber auch der Hightechbereich ist anfällig für die Tragik der Anti-Allmende. Sendefrequenzen, Technologiepatente, das Mischen von Werken und viele weitere Bereiche stecken in einem Konzept von Eigentum fest, dass sich zwar leicht fragmentierten, aber nur schwer wieder zusammenfügen lässt.
Zur Tragik der Anti-Allmende und ihren Kosten für die Gesellschaft braucht es noch viel Forschung. Vor allem aber muss die Idee und der Begriff Eingang in unserem Wortschatz finden.

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Wer bisher nur moralisch gegen bestimmte Patentarten argumentiert hat, hat hier eine volkswirtschaftliche Begründung.

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