Beitrag 8 – Eine kurze Phänomenologie der Commons

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 7 – Das „Betriebssystem“ der Commons: Zusammenfassung entfällt, da haupsächlich Tabelle.

Beitrag 8 – Eine kurze Phänomenologie der Commons

Alle Menschen haben das Recht auf Zugang zu Gemeingütern. Gleichzeitig tragen sie auch alle Verantwortung für die Gemeingüter wie Wasser, Land und Luft, die an die nachfolgende Generation weitergegeben werden müssen.
Zuständig für die soziale Gerechtigkeit ist – heute – der Wohlfahrtsstaat der westlichen Demokratien. Dieser Gedanke, dass der Staat soziale Rechte abzusichern habe, verdrängte das scholastische Rechtsverständnis des 16. Jahrhunderts, das auf Verteilungsgerechtigkeit und ausgleichende Gerechtigkeit beruhte. Die Verteilungsgerechtigkeit wurde ein Teil der Gesamt-Gesellschaft, nicht von Teilen der Gesellschaft. Gleichzeitig wurde die Frage der Verteilung vollständig der Politik zugeordnet und aus der Rechtswissenschaft und der Ökonomie gestrichen. Der Wohlfahrtsstaat gilt daher als außergewöhnlicher staatlicher Eingriff in die Marktordnung.
Die Commons bieten nun jenseits des Duopols Staat und Markt einen möglichen institutionellen und juristischen Rahmen, in dem eine gerechtere Ressourcenverteilung ermöglicht wird.

Doch Commons werden in der Öffentlichkeit meist nicht bemerkt. Sie werden erst erkannt, wenn sie zerstört sind. Egal ob Mangrovenwälder oder abgewaschenes Geschirr: wie wichtig diese Dinge sind merken wir erst, wenn sie nicht mehr da sind.
Das Problem der Commons ist, dass sie mit dem westlichen Rechtssystem unvereinbar sind. Die Gegenüberstellung von Staat und Privateigentum lässt im Recht keinen Platz für Commons. Oft wirken beide auch Hand in Hand um Commons zu zerstören.
Die Gegenüberstellung von Privateigentum und Staat ist aber meistens die Konstruktion eines nicht wirklich existierenden Unterschiedes. Der Staat ist einer der größten Akteure auf dem Markt. Auch die beiden Pole „öffentlich“ und „privat“ stehen in einer symbiotischen Beziehung zueinander. Und beide beruhen auf der Macht einer Person oder einer Hierarchie über ein Objekt.
Diese Teilung in zwei Pole ist Folge des reduktionistischen, individualistischen Denkens. Diese führt auch zur markttypischen „Erzählung“, das alles in der Natur mit einem Preis versehen ist, der Mensch für die Befriedigung aller Bedürfnisse zahlen muss, und dass dafür der Markt, aber nicht eine Gemeinschaftserfahrung zuständig ist.

Aus dieser Sicht resultiert auch der Homo oeconomicus. In der „Tragik der Allmende“ beschwört dieser das Bild eines zerstörerischen Menschen, der, statt zu teilen, alles für sich nimmt. Ein solcher Mensch ist mit einem ökologischen und ganzheitlichen Verständnis der Welt, basierend auf Beziehungen, Kooperation und Gemeinschaftlichkeit, unvereinbar. Wo ein solcher ganzheitlicher Mensch noch lebt, wird er durch die Entwicklungshilfe gnadenlos unter Druck gesetzt.
Dabei haben die Untersuchungen von Elinor Ostrom und Anderen Unmengen an Fällen zusammengetragen, in denen Gemeineigentum erfolgreich ist. Doch leider gilt dies nur für Individuen, nicht aber für Unternehmen und Staaten, die als Homo oeconomicus agieren.

Unternehmen handeln mit privaten Gütern, Staaten mit öffentlichen Gütern. Commons sind aber keine Waren, sie drücken Beziehungen aus. Wir haben kein Commons, wir sind Teil des Commons, genauso wie wir auch Teil des Ökosystems sind. Subjekt und Objekt sind untrennbar. Eigentum basiert auf Exklusion, Commons auf Inklusion, Zugang und Verantwortung.

Commons sind dabei nicht das, was als Rest zwischen Staat und Privateigentum übrig bleibt. Sie sind ein umfassendes Konzept, das einen institutionellen und rechtlichen Rahmen benötigt. Statt der absoluten Herrschaft des Subjekts (als Eigentümer) über das Objekt (wie die Umwelt) sollten wir das Verhältnis zwischen beiden in den Mittelpunkt stellen. Auch im Rechtssystem muss Hierarchie zu Gunsten von Partizipation und Kooperation aufgegeben werden. Die Konzentration von Macht wird so verhindert, und die Gemeinschaft ins Zentrum gestellt. Weniger Staat, weniger Markt, mehr Commons – nur so kann eine neue soziale Gerechtigkeit erreicht werden.

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Partizipation und Kooperation statt Hierarchie. Kommt mir aus der Piratenpartei irgendwie bekannt vor. Einschließlich der Probleme des Begreifens und der Durchführung.

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