Beitrag 5 – Der Umgang mit sozialen Dilemmata

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 5 – Der Umgang mit sozialen Dilemmata

Die Spieltheorie wird eingesetzt, um Situationen zu berechnen, in denen die Beteiligten aufeinander einwirken. Commons bieten hier eine besondere Chance wie auch ein besonders großes Risiko. Sie bieten beachtliche Win-Win-Situationen, die jedoch den gemeinsamen Willen aller erfordern. Daher ist Vertrauen für Commons besonders wichtig. In kleinen Gruppen kann Vertrauen durch das persönliche Kennenlernen aufgebaut werden. Doch was ist bei großen Institutionen?
Es existieren bereits vielfältige Instrumente zur Vertrauenssicherung zum Beispiel im Handel. Bewertungen, Treuhänder und andere Systeme schaffen Vertrauen bei sich völlig unbekannten Personen. Doch bei vielen Commons ist es schwierig, ein System zu schaffen, das sowohl glaubwürdig und durchsetzungsstark ist, aber kein grundsätzliches Misstrauen signalisiert. Für ein solches System entwickelte Elinor Ostrom acht Designprinzipien.

Erstens: Grenzen: Klare und akzeptierte Grenzen zwischen legitimen Benutzern und Nicht-Nutzungsberechtigten.

Zweitens: Kongruenz: die Kostenverteilung ist proportional zur Verteilung des Nutzens.

Drittens: gemeinschaftliche Entscheidungen: wer von einem Ressourcensystem betroffen ist, kann an Entscheidungen teilnehmen.

Viertens: Monitoring der Nutzer und der Ressourcen: ausreichende Kontrolle über die Ressourcen durch die Nutzer oder den Nutzern rechenschaftspflichtigen Personen.

Fünftens: abgestufte Sanktionen: Regelverletzungen werden in einem vernünftigen Verhältnis bestraft, beginnend von einem niedrigen Niveau mit Verschärfung z.B. bei Wiederholung.

Sechstens: Konfliktlösungsmechanismen: schnelle, günstige und direkte Konfliktlösungsmöglichkeiten zwischen Nutzern untereinander sowie Nutzern und Behörden.

Siebtens: Anerkennung:
die staatliche Anerkennung der Nutzer-bestimmten Regeln ist erforderlich.

Achtens: eingebettete Institutionen: Gemeinressourcen, die auf mehreren Ebenen miteinander verbunden sind, erfordern verschachtelte Verwaltungen. (Vereine dann Kommunalverwaltung dann Regionalverwaltung etc.)

Diese Regeln haben als Ausgangspunkt, dass Menschen kooperieren, doch berücksichtigen sie auch Einzelne, die das nicht tun.
Das Vertrauen, das mit diesen Regeln geschaffen wird, beruht nicht nur auf den Personen, sondern auch auf den Institutionen. Ihr Design liefert den Rahmen, der Vertrauen ermöglicht oder erheblich stört. Wie Software müssen diese Institutionen benutzerfreundlich gestaltet sein. Außerdem müssen sie Kontrollen und Sanktionen ermöglichen, ohne übertrieben Macht zu demonstrieren.
Wichtig ist dabei auch die Einsicht der Nutzer: Sie müssen wissen, dass gemeinsames Handeln sich lohnt, die Commons aber auch anfällig sind gegenüber Egoisten. Positive und negative Beispiele finden sich oft in der Fischerei. Nur mit einer ausreichenden Einsicht der Nutzer können Commons auf Dauer erfolgreich sein und passende Regeln entworfen werden. Allein das Potenzial von Sanktionen reicht dann zur Befolgung der Regeln, die von den Beteiligten als angemessen betrachtet werden.

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Die Piratenpartei arbeitet gewissermaßen nach einem Commons-Gedanken. Aber werden auch die von Elinor Ostrom ausgearbeiteten Designprinzipien benutzt? Wenn nein, wie kann man se einführen? Wenn ja, wie kann man ihre Wirkung verstärken?

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