Commonsbuch: Wirtschaft der Verschwendung

Dies ist eine Beitragsserie über das Buch „Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, das in 90 Beiträgen verschiedene Aspekte der „Commons“ beleuchtet. Jeder Beitrag wird kurz von mir zusammengefasst. Falls passend, werde ich eine „Moral“ oder ein „Fazit“ ziehen und Gedanken und Fragen zur Diskussion stellen.
Alle Beiträge zu diesem Buch sind mit dem tag „Commons-PMS“ gekennzeichnet und mit diesem erreichbar. Sie stehen unter der Lizenz CC-by-sa. Das Buch kann man auch unter dem Punkt „Open Access“ beim Verlag herunterladen.

Beitrag 2: Wirtschaft der Verschwendung

Die älteste Allmende ist die Erde selbst: Millionen von Arten leben dort nicht nur neben-, sondern vor allem mit- und öfters auch voneinander.
Die Wissenschaft der Ökologie und die der Ökonomie entstanden zeit- und ortgleich im viktorianischen England. Der bekannte politische Ökonom Thomas Malthus lieferte mit seinen Gedanken zum Bevölkerungswachstum und der Ressourcenknappheit ein Denkmodell für das „Überleben der Fittesten“ von Charles Darwin.
Fortschritt ergibt sich aus Egoismus. Arten kämpfen wie Unternehmen um Lebensraum oder Märkte, und die unangepassten (nicht konkurrenzfähigen) gehen zu Grunde.
Doch beide Vorstellungen sind weniger eine objektive Beschreibung der Natur als vielmehr eine Einschätzung der damaligen Gesellschaft. Die „Vernaturwissenschaftung“ der Ökonomie führte zur Erfindung des Homo oeconomicus, und umgekehrt fand dieser Verwendung in der Biologie. Der Unterschied zwischen egoistischem Nutzenmaximierer und genetischer Maschine ist verschwindend. Beide handeln rival und exklusiv (Begriffe erklärt in Beitrag 10) – sie wollen das Meiste für sich, auch auf Kosten der anderen.
Diese Auffassung über den Menschen diente dann der Legitimierung der Einhegungen der Allmenden. Gleichzeitig wurde damit Wildnis zu etwas fast nicht-denkbaren. Alles gehört dem Menschen, also muss auch alles dem menschlichen Konkurrenzkampf untertan gemacht werden.

Doch in der Biologie ist das Dogma des Kampfes und der Optimierung längst ins Wanken geraten.
Die Biospäre ist nicht effizient. Millionen von Eiern oder die Existenz der verschwenderischen Warmblüter (97% der Energie für Wärme) zeigen das. Die Natur ist redundant, geradezu verschwenderisch, denn die Sonne ist umsonst.
Die Biosphäre wächst nicht. Die Biomasse bleibt relativ konstant. Die Anzahl der Arten ändert sich und die Vielfalt.
Konkurrenz bedeutet Verödung. Ein Mangel bringt keine neue Art hervor. Vielmehr spielt der Zufall die große Rolle. Mutationen, Isolierungen von Lebewesen, neue Symbiosen.
Wie die Sonne sind auch die möglichen Beziehungen der Arten untereinander im Überfluss vorhanden. Mehr Arten führen zu mehr Beziehungen. Je mehr verschwendet wird, desto größer der Arten- und Beziehungsreichtum.
Und ein Eigentum gibt es in der Natur auch nicht. Alle Stoffe wandeln in einem großen Kreislauf.

Jede Art ist Bestandteil ihres Lebensraumes und der Lebensraum ist das gemeinsame System, das in jedem Augenblick in einem neuen Gleichgewicht erscheint. In der Natur gibt es kein Monopol, auch nicht auf Gene. Nur deshalb konnte sich die DNA so verbreiten, nur deshalb ist sie so vielfältig.
In der ökologischen Allmende überlebt dabei nur der langfristig, dessen Verhalten nicht egoistisch ist, sondern dem großen Kreislauf nützt. Nur so erhält er seinen eigenen Lebensraum.

Die Allmende der Natur kann übertragen und verbunden werden auf eine Allmende der menschlichen Kultur. Der Mensch macht Systeme, Diskurse und Praktiken. Wenn die Natur ein Allmendesystem ist, muss auch der Mensch ein solches aufbauen. Mensch und Natur basieren auf gelungenen Beziehungen, auf der fragilen Balance zwischen Individuum und dem Ganzen. Statt einem Gegensatz Natur zu Kultur gibt es eine Vermischung der Beiden. Statt Konkurrenz gibt es Vermitteln, Kooperieren, Sanktionieren und Einigen.

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Die Piraten haben bereits einen solchen Grundsatz: Sachpolitik. Wenn eine Sache gut ist, wird sie angenommen, auch, wenn sie vom politischen Gegner kommt. Wir erkennen an, dass Kooperation am Ende für alle nutzbringender ist als Konkurrenz, die das Besiegen des Gegners zum Ziel hat.
Woran es noch hapert, in der Politik, der Partei, dem Individuum, ist das Vermitteln und Kooperieren. Sind wir zur Konkurrenz erzogen und haben Kooperation deshalb nicht gelernt? Sollten wir das Kooperieren lernen und lehren? Wenn ja, wie? Und wem zuerst?

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