Megaupload: Rache aus Hollywood?

Was für eine Woche! Zumindest für die Copyright-Kontroverse.

Nach dem Blackout-Sopa-Mittwoch, über den ich in den letzten beiden Beiträgen geschrieben habe, folgte am Donnerstag die Verhaftung der Verantwortlichen von Megaupload.
Wer es nicht kennt: Megaupload ist eine Plattform, auf der jeder Nutzer Dateien hochladen kann, damit andere sie runterladen können. So etwas ähnliches wie ein Lagerhaus für Dateien also.
Nach eigenen Angaben hatte Megaupload 150 Millionen registrierte Benutzer und 50 Millionen Seitenabrufe pro Tag. Es war also eine der größten Seiten der Welt.

Und die Sache am Donnerstag hat auch eine große Portion G’schmäckle. Denn:
Die Verhaftung geschah auf Veranlassung der USA. In Neuseeland. Festgenommen wurden Leute, die weder US-Bürger noch Neuseeländer waren, darunter drei Deutsche. (Mithilfe des BKA) Die Firma ist registriert in Hong-Kong. Zudem soll die Firma sich sogar an das US-DMCA-Gesetz gehalten haben, nachdem Seitenbetreiber auf Hinweis illegales Material entfernen müssen.
Wenn das so ist, bleibt eigentlich nur die Anschuldigung der Unterstützung oder Vorbereitung o.ä. von Verletzungen des Copyright.
Von der Datenautobahn auf die Offline-Straße übertragen heißt das also: Hier wurden Bauarbeiter verhaftet, weil sie in vollem Wissen und mit Billigung der Folgen Rasern eine Möglichkeit zum Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit gegeben haben. Oder im schlimmsten Fall es sogar Dieben erlauben, sich mit ihrem Diebesgut, zum Beispiel gestohlenen Autos, abzusetzen.

Reaktion auf #BlackoutSOPA?

Doch besonders interessant wird es, wenn man das Datum betrachtet. Am Vortag erst haben in einer großen Aktion Dutzende von bekannten Internetseiten gegen zwei Gesetze (SOPA und PIPA) protestiert, die von der Rechteverwertungsindustrie lobbyiert wurde. Rache? Demonstration der Stärke?
Eines der Hauptargumente war, dass man nichts gegen ausländische Internetseiten machen könnte. Noch mal zur Erinnerung: Megaupload ist eine Hong-Konger Firma, betrieben von Leuten aus mehreren Staaten, die in Neuseeland verhaftet wurden.
Offensichtlich hat die Lobby auch hier wieder gelogen. Ist ja nicht das erste Mal, auch in Bezug auf Megaupload. Als diese ein Werbe-Video auf Youtube platzierten, in dem viele nahmhafte Künstler sich für Megaupload aussprachen, verschwand das Video. Begründung: Copyright-Verletzung.
Was definitiv nicht stimmte.
Auch nachdem das klar war verschwand das Video noch einmal. Diesmal kam als Begründung sinngemäß: Wir haben einen Geheimvertrag mit Youtube, nachdem wir alles runternehmen können, was uns nicht gefällt. Youtube dementierte dann, dass das Megaupload-Video nicht unter die im Vertrag genannten Kategorien fiel.
Wie auch immer: Klar ist, dass da von Seiten der Contentindustrie gleich mehrmals unter der Gürtellinie zugetreten wurde.

Da also Megaupload sich wahrscheinlich gerade im Zielfokus der Industrie befand, stellt sich die Frage: War der Zeitpunkt Zufall oder eine Reaktion auf den zivilgesellschaftlichen Protest vom Vortag?

Ich persönlich glaube nicht, dass es nur einen Tag dauert, in einem Nachbarland jemanden verhaften zu lassen. Allerdings werden ja auch in Europa „Hausdurchsuchungen“ bei Parteien auf Zuruf aus dem Ausland gemacht (siehe Servergate), also wer weiß… Außerdem wusste ja auch die MPAA 2 Wochen vorher von der Aktion.
Wenn es in Zusammenhang steht, stellt sich natürlich die Frage(n): Wer und warum?

Die erste Vermutung wäre Lobbyarbeit der MPAA. Auf der anderen Seite traue ich denen, trotz aller Realitätsblindheit, nicht zu, so dumm zu sein. Stärke demonstrieren, indem man… sagen wir 20 Millionen Amerikanern eine ihrer wichtigsten Seiten wegnimmt? Und einen Tag nach #BlackoutSOPA zeigen, dass man auch dort gelogen hat? Neee… kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Bleiben also eigentlich nur noch die politischen Sockenpuppen. Und bei diesem Gedanken musste ich spontan an meinen gestrigen Beitrag denken und den letzten Satz der MPAA-Presseerklärung, den ich für eine versteckte Drohung hielt (und halte).

It is our hope that the White House and the Congress will call on those who intend to stage this “blackout” to stop the hyperbole and PR stunts and engage in meaningful efforts to combat piracy.”
(Es ist unsere Hoffnung, dass das Weiße Haus und der Kongress jene, die dieses “Blackout” inszenieren, auffordern werden, diese Übertreibung und diese PR Stunts zu beenden und sich in bedeutenden/sinnvollen Bemühungen engagieren werden, Piraterie zu bekämpfen.)

Für die MPAA dürfte die Zerschlagung von Megaupload ohne Zweifel ein „meaningful effort to combat piracy“ sein. Hat die Drohung gewirkt? Gab es eine Absprache? Oder ist das nur Zufall und eine Verschwörungstheorie?
Aber allein die ernsthaft existierende Möglichkeit, ob sie nun zutrifft oder nicht, sollte Anlass zu größter Sorge sein.

Oder wie Rick Falkvinge es ausdrückt:
„It is extremely disturbing that a non-US citizen running a non-US business on non-US soil can be arrested by US authorities for breaking US law,“ wrote Rick Falkvinge, the founder of the Pirate Party Sweden, in an e-mail sent to Deutsche Welle. „If the Americans are running the world by this kind of force, then I demand voting rights in the United States.“

Oder Ausschaltung der Konkurrenz?

Eventuell war es aber auch „nur“ eine vorbereitete Aktion, denn Megaupload war nach eigener Aussage dabei, die herkömmlichen Verwerter im Alleingang überflüssig zu machen:

Megaupload founder Kim Schmitz said Universal „knows that we are going to compete with them via our own music venture called Megabox.com, a site that will soon allow artists to sell their creations directly to consumers while allowing artists to keep 90 percent of earnings.“

Even more interesting is Schmitz boasting another service called Megakey, a solution he says will allow artists to generate income off of free downloads

Megaupload-Gründer Kim Schmitz sagte, dass Universal „weiß, dass wir bald durch unser eigenes Musikgeschäft, genannt Megabox.com, mit ihnen konkurrieren werden, eine Seite die es Künstlern bald erlauben wird, ihre Werke direkt an Konsumenten zu verkaufen und 90% der Einnahmen zu behalten.“

Sogar noch interessanter ist, wie Schmitz mit einem anderen Dienst namens Megakey prahlt, eine Lösung, die es nach seinen Worten Künstlern erlaubt, Einkommen von kostenlosen Downloads zu generieren. [vermutlich durch anteilige Werbeeinnahmen, Anm. d. Verf.]

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