Die Bedeutung der Worte

Die Feder ist mächtiger als das Schwert. Wer hätte diesen Satz nicht schon einmal gehört? Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben. Ein normales Schwert hat kein Problem damit, eine Feder vollkommen zu ignorieren, sofern es nicht eine außergewöhnlich lange, stabile und spitze Feder ist. Das kann jeder bestätigen, oder vielmehr *nicht* nicht mehr bestätigen, der das jemals ausprobiert hat.
So ist es auch mit den Worten, für die die Feder in diesem Sprichwort steht. Kein normales Wort wird einen LKW aufhalten, der den Berg hinab auf einen zurollt. Dann ist es zu spät für Worte, dann hilft nur noch springen. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit jedoch hätten diesen LKW durchaus aufhalten können. Die einfache Frage, ob die Handbremse angezogen ist, wäre eine Möglichkeit gewesen.

Doch mein Thema heute soll ein etwas anderes sein. Nicht nur um den Zeitpunkt soll es gehen, sondern vielmehr um die Art der Worte. Worte bestimmen unser Denken. Ein einfaches Beispiel: Wenn wir Deutschen einen Schlag auf den Kopf bekommen und irgendwo wieder wach werden, wo wir nichts erkennen, dann fragen wir: „Wo bin ich?“
Ein Japaner in derselben Situation würde hingegen fragen: Koko wa doko? Was so viel heißt wie „Das hier, wo ist das?” Er fragt nicht, wo er ist, sondern wo die Gegend ist (in der sich befindet). Das ist vom Konzept her ein großer Unterschied. Und solche Unterschiede werden gerne und häufig in der Politik verwendet. Wann zum Beispiel ist ein bewaffneter, schießender Zivilist ein Terrorist, und wann ein Freiheitskämpfer? Der Unterschied liegt nicht selten einzig und allein beim Betrachter.
Unsere deutsche Bundeskanzlerin ist auch zu bedauern. Sie muss so oft alternativlos handeln. Die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke war zum Beispiel alternativlos. Bis man die Meiler einfach mal abgeschaltet hat. Zu unser aller Überraschung ist das Stromnetz nicht an den Rand der Funktionstüchtigkeit gelangt. Anders als zum Beispiel in der ein oder anderen windreichen Nacht mit viel Windstrom, bei der durch die schlecht regulierbaren Atom- und Kohlekraftwerke viel zu viel Strom eingespeist wurden. Da hätte man sich zeitweise dumm und dämlich verdienen können, indem man Strom verbrannt hätte. Herstellkosten für Atomstrom laut Lobby: etwa 4cent pro kWh. Verkaufspreisrekord: minus 20cent. Da wurde etwas für 4cent hergestellt und dann kriegt man vom Hersteller 20cent dafür, dass man es verbraucht. Sowas geht nur, wenn da irgendwo im System mächtig der Wurm drin ist.

Noch ein Beispiel dazu, wie wichtig die richtige, dh. für sich selbst vorteilhafte Bezeichnung ist (und wie viele Köpfe darüber zerbrochen werden), hat Fefe heute ausgegraben: http://blog.fefe.de/?ts=b339161b
Hier der wichtigste Satz: „Viele Leute verstehen halt nicht, was Chancengleichheit heißt. Jedem ein Los geben, von denen alle Nieten sind, das ist Chancengleichheit.“

Mindestdatenspeicherung

Was lange dauert, kommt letztendlich doch. Nicht nur bei und in meinem Blog. So könnte es vielleicht auch mit der Vorratsdatenspeicherung sein. Dann allerdings unter einem neuen Namen. Mindestdatenspeicherung. Nachdem die Vorratsdatenspeicherung – klingt schon so gewaltig – auf massiven Widerstand gestoßen ist, versuchen einige Leute, sie jetzt als Mindestdatenspeicherung einzuführen.
Mindestdatenspeicherung, das klingt doch viel besser. So… flauschig. Als würde man nur das machen, was ohnehin nötig ist, wogegen keiner etwas haben kann, eine Kleinigkeit, die eigentlich gar nicht erwähnenswert ist. Quasi nur eine Formalität verwaltungstechnischer Art. Ein Formular S 2011.

Dieser Begriff ist gefährlich. Er ist das Schwert, das gegen die Feder die Freiheitsliebenden geschwungen wird. Man kann sich nicht dagegen wehren. Wie spricht man gegen ein „Mindest“ an? Dieser Begriff muss verhindert werden. Wenn nicht, hat man irgendwann ein Minimum, das alles umfasst. So ein Neusprech wie „Negativwachstum“. Ein sogenanntes Oxymoron. (Wer hätte das jetzt noch aus seiner Schulzeit gewusst?)
Hier muss früh entgegengewirkt werden. Wie kann man dagegen vorgehen? Mit was kann man eine Mindestdatenspeicherung vergleichen oder sprachlich belegen? Mir fällt nichts ein. Euch?
Die „Datenautobahn“ prägt das Verständnis ganzer Bevölkerungsschichten. Genauso wurde Vorratsdatenspeicherung zum Begriff für das Ausspähen der Bürger. Und zu solch einem Begriff muss auch die Mindestdatenspeicherung werden, bevor sie uns aus dem Mund genommen und aufgezwungen wird.
Der Kampf beginnt in den Köpfen, und damit bei Wörtern. Denn Sprache bestimmt das Denken. Nicht nur 1984, auch 2011.

Dieser Beitrag wurde unter Piratiges veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Die Bedeutung der Worte

  1. martin e sagt:

    Wenn ich auf Biegen und Brechen etwas dazu schreiben müsste, würde ich vielleicht MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatzkonzentration von Schadstoffen) umdrehen in Mindest–Arbeitsplatzkonzentration. Was ein richtiger Lackierer ist, der kann halt nicht ohne mindestens… Was wäre das noch für ein Staat, wenn er nicht für mindestens sechs Monate alle Daten aller Bürger hätte?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.