Das Geld ist nicht weg…

es hat nur jemand anders. Wer kennt diesen Satz nicht? Aber wer hat denn nun das Geld? Und wie viel Schulden haben wir Deutschen?

Der Staat insgesamt (Bund, Länder, Kommunen etc.) ist gegenwärtig mit ziemlich genau 2 Billionen verschuldet. ( Link 1, Link 2).

Gleichzeitig beträgt das das Geldvermögen der Deutschen laut MZ ziemlich genau 5 Billionen. Geldvermögen bedeutet Bankkonten und Aktien, aber nicht Autos oder Immobilien.

Das heißt, wenn jeder von dem Vermögen, das er momentan eigentlich gar nicht braucht, 2/5 zur Schuldentilgung nehmen würde, wäre Deutschland schuldenfrei. (Selbst wenn es vom Monatsanfang gerechnet wäre: einen Tausender pro Kopf lassen wir mal beiseite für laufende Kosten, das sind auch nur 80 Milliarden, also für den Überschlag vernachlässigbare 4%.)
Es darf jeder selbst ausrechnen, wie viel Geld das für ihn wäre. Es darf auch jeder selbst vergleichen, ob er mehr als 25.000 Euro zahlen würde oder weniger. 25.000 Euro ist die gerundete Pro-Kopf-Verschuldung.

Der Bundeshaushalt für 2012 sieht 26 Milliarden an Neuverschuldung vor.
Der Schuldendienst beträgt 40 Milliarden – allein beim Bund. Länder und Kommunen kommen noch dazu.
Nach Abtragung dieser Schulden wären also 14 Milliarden im Bundeshaushalt übrig. Damit ließe sich der Betrag für Bildung und Forschung (13 Milliarden) verdoppeln und die übrige Milliarde könnte man ansparen.

update: Eine Rechnung, die ich aufgrund eines Kommentars gemacht habe.

Aber rechnen wir mal mit der Umsatzsteuer: Die gibt dieses Jahr ca. 180 Milliarden. Macht also 9,5 Milliarden pro Prozentpunkt (wenn alles 19% wäre).

Mit der Entschuldung könnte der Umsatzsteuersatz also stattdessen auch um 4% gesenkt werden.
Bei monatlichen Ausgaben von 1000€ wären das 2280€ Steuer, also 91,20€ im Jahr an Einsparung. Nach aktueller Einschätzung würde jemand in meinem Alter noch mindestens 50 Jahre leben. Für einen 30-jährigen Mann kämen nach aktueller Sterbetafel (einer davon) bis zu seinem Tod mit 84 knapp 5000€ raus.
Das heißt, wer heute männlich und 30 ist und weniger als 12.000€ Geldvermögen hat (dazu kommt ja noch Sachvermögen) gewinnt sogar dazu – Zinseszins usw. mal ganz ausgeklammert, und der kann enorme Summen anhäufen.
Ein heutiger Abiturient kann rein rechnerisch sein Bachelor-Studium mit seinen Lebenseinsparungen aufgrund der Entschuldung finanzieren – wieder Zinsen ausgeklammert.

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6 Kommentare zu Das Geld ist nicht weg…

  1. löjkhn sagt:

    Die zwei Kernaussagen Deines Beitrags…
    […] das Geldvermögen der Deutschen […] 5 Billionen
    … und …
    […] Das heißt, wenn jeder von dem Vermögen, das er momentan eigentlich gar nicht braucht, 2/5 zur Schuldentilgung nehmen würde, wäre Deutschland schuldenfrei. […]

    … lassen Schlussfolgern, dass das „Geldvermögen der Deutschen“ solches ist, „das er momentan […] nicht braucht“. Gewagte Voraussetzung für diese Rechnung.

    • LennStar sagt:

      Ich weiß, dass das etwas provokant ist, aber mal ehrlich: Deine Aktien und dein Festgeld – brauchst du das dieses Jahr noch?
      Girokonto ist ja vernachlässigbar gering, alles andere zählt generell als Anlage – und damit als das, was du momentan nicht brauchst.
      Falls du Geld anlegst, das du brauchst, machst du was falsch, ganz ehrlich 😉

      Nehmen wir spaßeshalber Girokonto und Leute „die es in den näcshten 3 Monaten verwenden“ – dann bist bei vielleicht 10% des Vermögens. Dann sind es eben nicht 20%, die vom „nicht gebrauchten“ abgehen, sondern 25%.

      Also ich selbst wäre sogar bei 25% dafür und dabei, da ich denke, dass die langfristigen Auswirkungen (egal ob Investitionen oder Steuersenkungen) einer „Entschuldungsabgabe“ auch für mich selbst positiver sind als ohne. Nicht unbedingt vom bloßen Geld her, aber einfach durch soziale Stabilität, bessere öffentliche Einrichtungen etc.

      Aber rechnen wir mal mit der Umsatzsteuer: Die gibt dieses Jahr ca. 180 Milliarden. Macht also 9,5 Milliarden pro Prozentpunkt (wenn alles 19% wäre).

      Mit der Entschuldung könnte der Umsatzsteuersatz auch um 4% gesenkt werden.
      Bei monatlichen Ausgaben von 1000€ wären das 2280€ Steuer, also 91,2€ im Jahr an Einsparung. Nach aktueller Einschätzung würde jemand in meinem Alter noch mindestens 50 Jahre leben. Für einen 30-jährigen Mann kämen nach aktueller Sterbetafel (einer davon) bis zu seinem Tod mit 84 knapp 5000€ raus.
      Das heißt, wer heute männlich und 30 ist und weniger als 12.000€ Geldvermögen hat (dazu kommt ja noch Sachvermögen) gewinnt sogar dazu – Zinseszins usw. mal ganz ausgeklammert, und der kann enorme Summen anhäufen.

  2. löjkhn sagt:

    Worauf ich hinauswollte: es gibt eine bestimmte Summe dieser 5 Billionen, die ständig zirkuliert und auf dessen Zikulation große Bevölkerungsteile angewiesen sind (das ist für mich die Summe der Gelder, die man eben zum Erhalt der Existenz eines Unternehmens oder zum täglichen Leben verwenden muss).

    Vernachlässigen wir mal den für die Praxis essentiellen Gedanken daran, wie wir diese Gelder so definieren, dass wirklich nur Gelder verwendet werden, sodass die Entschuldung niemand mit seiner Existenz bezahlt, ist es für Deinen Vorschlag nach wie vor grundlegend, wie groß die Menge des stets zirkulierenden (also zur Entschuldung nicht zur Verfügung stehenden) Geldes ist.

    Du hast nicht zufällig eine Ahnung darüber, wo man solche Informationen findet?

    Schöner Artikel übrigens =) … lässt einen ein bisschen philosophieren.

    • LennStar sagt:

      Schön, dass er dir gefällt. Das mit der Philosophie steht ja schon ganz ganz oben rechts 😉

      Aber wieviel zirkuliert von diesem Geldvermögen ist vernachlässigbar. Ich habe es schon im Artikel stehen:
      (Selbst wenn es vom Monatsanfang gerechnet wäre: einen Tausender pro Kopf lassen wir mal beiseite für laufende Kosten, das sind auch nur 80 Milliarden, also für den Überschlag vernachlässigbare 4%.)

      Hier ist eine Übersicht über verschiedene Lebensarten und deren Einkommen:
      http://www.n-tv.de/ratgeber/Die-Deutschen-und-das-Geld-article2105706.html
      Die höchste Zahl ist 1726 Euro. Davon wird aber nicht alles ausgegeben. Sagen wir also im Schnitt (was zu hoch sein dürfte) 1.500 Euro pro Kopf – das wären dann 6% des Geldvermögens. Wenn 6% im Umlauf sind, ist das immer noch eine für die Gegenüberstellung unbedeutende Größe.

      Das ist übrigens das Geldvermögen der Privathaushalte, Unternehmen waren da gar nicht drin.

      Oder anders: Von diesen 5.000 Milliarden sind über den Daumen gepeilt 100 Milliarden (5%) im Umlauf. Soviel geht in die Privathaushalte rein (+ noch was) und wird von denen ausgegeben.

  3. löjkhn sagt:

    Nun, ich dachte dabe insbesondere an jene, die nicht einmal diesen Betrag aufbringen können. Vermutlich sind das einfach nicht soviele.

    Ein Antrag mit dieser Idee (Deiner?) hat es übrigens ins Handelsblatt geschafft:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/die-originellsten-antraege-zum-bundesparteitag/5915698.html?slp=false&p=3&a=false#image

    • LennStar sagt:

      „Die große Staatsverschuldung der Bundesrepublik hat ein Antragssteller als Problem erkannt und liefert gleich eine Lösung dafür mit, wie man den Schuldenberg wieder loswerden kann. Die Vermögenden sollen bezahlen. Mit einer einmaligen Vermögensabgabe von 20 Prozent sollte sich die Staatsverschuldung laut Antrag erledigt haben.“
      Nein, ist nicht von mir. Aber die Rechnung ist die gleiche, wies aussieht. Allerdings ist hier ein Fehler drin. Ich habe wie gesagt (laut MZ) nur das Geldvermögen der Privathaushalte rangezogen.
      Da fehlen dann noch Sachwerte, die mindestens noch mal so hich sein dürften.
      Und dann noch Unternehmen…

      Wie es in der Überschrift steht: Das Geld ist nicht weg…

      Besser finde ich aber den Tagesrythmusantrag. Bei mir ist das auch so, wenn ich vor etwa 6:45 aufstehen muss, bin ich den ganzen Tag schlaff. Was sowas dann an Geld kostet… (auch die Gesundheit leidet ja insbesondere unter Nachtschichten)

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