Ungedeckte Kreditausfallversicherungen, Getreidehandel – Spekulationsverbot?

Ungedeckte Kreditausfallversicherungen. Im Rahmen des #occupyeverywhere (siehe vorigen Beitrag) habe ich erst am Samstag unter anderem ausgeführt, dass man diese Dinger verbieten könnte und sollte. Jetzt scheint es bald ein EU-Verbot zu geben, nach dem „solche Finanzprodukte künftig nur noch in Ausnahmen und unter strengen Auflagen möglich“ sein sollen (MZ. 20.10.2011 S.6).

Ungedeckte Kreditausfallversicherungen – was ist das eigentlich?

Die UKV ist eigentlich keine Versicherung, denn man versichert sich nicht. Bei einer Versicherung hat man selbst einen Wert, gegen dessen Verlust man sich absichert. Bei diesem Finanzprodukt aber ist das anders, also verwenden wir lieber den englischen Begriff Credit Default Swaps, der vielleicht auch bekannter ist. Bei CDS wettet man auf den Ausgang eines Ereignisses. Zum Beispiel könnte man darauf wetten, dass Griechenland pleite geht (wie es derzeit aussieht). Falls das passiert, erhält man die Summe X. Dabei braucht man keine griechischen Staatsanleihen haben.

Das ist so ähnlich, als könnte man eine Feuerversicherung für das Haus des Nachbarn abschließen. Wenn des Nachbarn Haus abbrennt, kassiert man. Aus gutem Grund kann man eine solche Versicherung in der Realwelt nicht abschließen.
Nun sind die meisten Menschen nicht bösartig, und würden deshalb nicht zündeln gehen. Bei den Finanzwetten sieht das schon etwas anders aus. Auch hier sind die Wettenabschließer, hoffentlich, nicht bösartig. Aber sie können durchaus Feuerwehrmänner sein, denen die Kündigung wegen zu geringem Bedarf bevorsteht – wenn sie nicht etwas am Bedarf ändern… (Das ist übrigens tatsächlich geschehen und ein Grund, warum es keine privaten Feuerwehren mehr gibt, sondern diese Staatsaufgabe sind.)

Der Hauptunterschied zu einer Versicherung aber ist: Der Finanzmarkt wettet ausschließlich mit sich selbst. Nichts Anfassbares existiert oder wird existieren. Es ist eine reine Wette mit Geld für Geld mit dem Gegenstand Geld (bzw. Schulden).
Ein solches Geschäft würde ich von vornherein als offensichtlich wirtschaftsschädigend verbieten. Es wird nichts produziert, nichts Produziertes gehandelt und noch nicht einmal die Produktion durch die Erleichterung von Kreditgeschäften ermöglicht. (Die Möglichkeit einer Versicherung kann zu einer Vergabe eines Kredites führen, diese sind also sinnvoll.) Statt irgendetwas Nützliches zu erzeugen, ist das einzige Ergebnis eine höhere Anfälligkeit des „versicherten“ Gegenstandes durch mehr Manipulationsinteressen und die Existenz einiger CDS-Verkäufer, die sonst einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen müssten.

In Anbetracht dessen ist es reiner Wahnsinn, diese Produkte überhaupt erlaubt zu haben, und das gegenwärtig besprochene Verbot geht nicht weit genug.


Getreidehandel

Auch der spekulative Handel mit Getreide und anderen Lebensmitteln ist problematisch. Es geht hier nicht darum, dass ein Händler das russische Getreide des nächsten Sommers heute kauft und in 3 Monaten an eine Bäckerkette mit plötzlich steigendem Bedarf hier in Deutschland verkauft, ohne jemals einen Weizenhalm zu sehen. Das ist normaler Zwischenhandel, bei dem der Händler daran verdient, dass er es für die beiden anderen leichter macht.
Das Problem beginnt da, wo der Handel der Spekulation dient. Denn dies erhöht die Schwankung der Nahrungsmittelpreise und das Preisniveau. Das geschieht zum Beispiel so: In Russland ist die Ernte voraussichtlich schlecht. Es wird also erwartet, dass der Preis steigt. Jetzt kaufen schnell alle (zukünftiges) Getreide ein. Der Preis steigt. Weil der Preis steigt und das Angebot knapp (weil aufgekauft) ist, kaufen jetzt noch weitere – zu einem höheren Preis. Und so weiter. Wenn jetzt tatsächlich geerntet wird, ist der Getreidepreis astronomisch hoch, und die Leute, die 90% ihres Einkommen für Essen ausgeben müssen, können sich diese Preise nicht leisten.
Mittlerweile sind 80% des Handels spekulationsbedingt. Für die Spekulanten interessant ist dabei nur der Preis, sie könnten auch auf Gummibärchen oder Marsianer wetten. Nur noch ein Fünftel des Handels wird durch die getätigt, die ein Interesse an der Ware haben.
Foodwatch hat deshalb vor zwei Tagen eine Kampagne gestartet, die schon erste Erfolge hat. Die Deutsche Bank will solche Geschäfte „überprüfen“. Mehr dazu im Commonsblog.
Wer sich für dieses Thema interessiert, findet dort zahlreiche Links.

Vielleicht führt ein Verbot bzw. eine Regulierung dieser beiden Finanzwetten ja dazu, dass wieder mehr in die reale Wirtschaft investiert wird. Besser wäre es, insbesondere, wenn es in nachhaltige Unternehmungen fließt. Besser ein zweites Windrad, als eine Wette auf den Zustand des Windrades vom Nachbarn 😉

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