Copyright 2

Nach der Entstehung des Copyrights in Teil 1 (Erinnerung: Copyright ist nicht Urheberrecht) ein paar Ergänzungen zu Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit. Besonders erwähnenswert ist dabei das sogenannte Mickey-Mouse-Gesetz, das genau das ist, wonach es klingt. Es führt die Intention des Copyright besser ad absurdum, als es jeder Cartoon mit Mickey je gekonnt hätte. Jeder Autor wäre ausgelacht worden, hätte er sich sowas einfallen lassen. Doch zuerst ein schneller Blick nach Großbritannien.

Der Einfachheit halber zitiere ich hier aus „Freie Software“ (siehe vorigen Beitrag).
Der britische Copyright Act von 1956 nimmt unter dem Einfluss der Tonträgerhersteller eine Trennung zwischen den Rechten der Autoren an Originalwerken (original works) und denen der Hersteller (makers) an Gegenständen (subject matters) vor. Der Copyright, Designs and Patents Act von 1988 (CDPA) erfüllt die internationalen Verpflichtungen Großbritanniens im Rahmen der Berner Übereinkunft von 1971 […] Der CDPA schrieb erstmals moral rights (Persönlichkeitsrechte) fest… [stark eingeschränkt]

Mit dabei im CDPA wurde ein neues Recht zur Bekämpfung des Bootleggings eingeführt. Zudem wurde beschlossen, dass die digitale Verwertung keine weitere Erlaubnis des Urhebers erfordert.

Hier sehen wir die erste Anpassung, die explizit wegen der Möglichkeit geschaffen wurde, als Durchschnittsperson Werke zu kopieren. Gleichzeitig wird den Urhebern (im Sinne von Schöpfern) die Möglichkeit genommen, von der digitalen Revolution zu profitieren bzw. das digitale Kopieren mit ihren Mitteln einzuschränken, sofern sie das möchten (analoge Kopien haben immer einen Qualitätsverlust!). Und das zu einer Zeit (1988), als digitale Kopien noch ausschließliche Domäne großer Firmen war.

Die USA

In den USA wurde das Copyright schon etwas früher reformiert, nämlich 1976. Als größte Änderung entfiel die Registrierungspflicht. Ein Copyright musste nicht mehr angemeldet werden, sondern es entstand automatisch mit der Materialisierung des Werkes. Erstmalig wurde auch das Fair Use (Verwendung geschützter Werke zu bestimmten Zwecken in einem bestimmten Rahmen) und die Erstverkaufsdoktrin (Wer kauft, darf’s auch wieder verkaufen) festgeschrieben.
Die zweitbedeutendste Änderung ist die Verlängerung der Monopolfrist von 2×28 Jahre auf 50 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Bei anonymen, pseudonymen oder im Auftrag erschaffenen Werken betrug die Frist nunmehr 75 Jahre, bei nicht oder später veröffentlichten 100 Jahre.
Diese Fristen galten nicht für bereits erschienene Werke. Was jünger war als 1976 durfte noch einmal extra für 47 Jahre geschützt werden. Der Grund war: Mickey Mouse.
Der Exportschlager der Walt Disney Corp. wurde erstmals 1928 geschützt. Somit drohte die Maus gemeinfrei zu werden. Jeder hätte sie dann verwenden können – ein Albtraum für die Corp. Die Verlängerung des Verwertungsmonopols dauerte nun bis 2004.
Die logische Konsequenz: Als diese Dauer in die Nähe rückte, wurde das Lobbying so richtig hochgefahren. 1998 wurde vom US-Kongress der Sonny Bono Copyright Term Extemsion Act verabschiedet. (Es lohnt sich, den Eintag in der WP durchzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Copyright_Term_Extension_Act#Politisches_Klima )
Der SBCTEA wurde schwer angegriffen. Insbesondere wurde kritisiert, dass die Verlängerung im Widerspruch zum in der US-Verfassung verankerten Gedanken stünde, dass das Copyright vor allem deshalb existiert, um der Gesellschaft den Zugang zu den Werken zu ermöglichen.
Lawrence Lessig (Gründer von Creative Commons) argumentierte außerdem, dass das Privileg des Verwertungsmonopols an die Intention gebunden sei, neue Werke zu schaffen. „Da man einem Toten keinen Anreiz mehr geben kann – das neue Gesetz verlängert die Schutzfrist rückwirkend auf Werke bereits verstorbenerAutoren – besteht es den Test nicht. Eine rückwirkende Erweiterung dieser Privilegien dient keinem der Ziele, für welche die Copyright-Klausel geschaffen wurde. Solange Menschen die Bedeutung der Public Domain nicht erkennen, befürchten wir, dass der Kongress fortfahren wird sie einzuzäunen.“ (nach Daren Fonda, Copyright Crusader)
Selbst wenn der Urheber noch lebt, ist es doch reichlich unwahrscheinlich, dass er sich abends noch mal eine Stunde länger hinsetzt, weil er (d.h. seine Erben, die er vielleicht hasst) jetzt nicht nur 50 Jahre, sondern 70 Jahre nach seinem Tod eventuell Geld einnehmen kann (und nach dieser Zeit ist das ein großes eventuell).

Das Ganze wurde nur für ein paar, auch noch nach so langer Zeit verkäufliche, Werke eingebracht. Dabei wird dir kein Unternehmer ernsthaft erzählen, er rechne bei der Erstherausgabe damit, auch nach 50 Jahren noch Einnahmen aus einem bestimmten Werk zu erzielen. Geschweige denn nach 100 Jahren.
Wenn man aber nach dieser Maximalannahme geht, dann wären heute noch Mozart&Co von irgendeinem Rechteinhaber monopolisiert. (Bei Wolfgang Amadeus Mozart war immerhin schon klar, dass er musikalisch was werden wird, als er noch gelegentlich ins Bett gemacht hat.) Oder auch nicht, denn wer könnte nach so langer Zeit noch eindeutig seine Rechte nachweisen? Das Werk wäre demnach verwaist und dürfte nicht aufgeführt werden.

In der Öffentlichkeit ging der Sonny Bono Copyright Term Extension Act unter. Es war gerade bekannt geworden, dass Bill Clinton mit einer Praktikantin Dinge getan hatte, die nach herrschender Moral nicht hätten passieren sollen. Die Verwertungsindustrien legten natürlich ein größeres Augenmerk auf dieses Gesetz. Sie spendeten den Abgeordneten für den laufenden Wahlkampf 6,5 Millionen Dollar. An erster Stelle der Liste stand Disney.

Mickey Mouse wird 2018 wieder in der „Gefahr“ sein, ein Bestandteil der allgemeinen, freien Kultur zu werden. Was das bedeutet, dürfte klar sein.

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