Die Sache mit den Krediten oder: Des Einen Leid ist des Anderen Freud

Das überraschende Wahlergebnis in Berlin wird die Woche über noch die Diskussion beherrschen. Aber das heißt nicht, dass die alten Geschehnisse verschwunden sind. Noch immer ist beispielsweise Griechenland in großen Schwierigkeiten. Die Kürzungen der Staatsausgaben haben zu einem Abrutsch der Steuereinnahmen geführt, wie es ja auch zu erwarten gewesen war. Die Folge werden wohl weitere Sparzwänge sein, von außen auferlegt um von den anderen Ländern Geld geborgt zu bekommen. Denn Griechenland will sonst niemand mehr Geld geben.

Ganz anders sieht es aus mit Deutschland. Die Zinsen für 10-jährige Anleihen sind auf ein Rekordtief gesunken. Sie liegen unter der gegenwärtigen Inflation. Richtig gelesen: Für Deutschland ist es unter gegenwärtigen Zahlen ganz direkt billiger, 10 Jahre lang die Schulden vor sich her zu schieben, als sie jetzt zu bezahlen. Mit anderen Worten: Geld ist so billig wie nie. Es gibt einfach zu viel davon auf den Kapitalmärkten. Und Angst, dass Geld in Aktien verschwindet, wenn der Kurs sinkt.
Eigentlich eine grandiose Zeit für Investitionen in nachhaltige Firmen, Rohstoffe und dergleichen. Oder eben in Gold, weshalb diese Blase wohl doch noch länger wachsen dürfte als ich ursprünglich dachte (Laut BILD-Orakel müsste die Blase zum Jahreswechsel platzen, die BILD hat im Juli getitelt „Wo finde ich in Deutschland noch Gold“, http://www.bild.de/geld/wirtschaft/edelmetalle-gold/wo-finde-ich-in-deutschland-noch-gold-18944002.bild.html was ich als Kaufempfehlung auffasse. Und wenn die BILD kaufen sagt…)

Und was machen eigentlich die Zentralbanken? Geld drucken. Immer noch. Es gibt schon zu viel davon, aber es wird weitergedruckt. Immer noch, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und paradoxerweise ist Schulden zurückzahlen für dieses Ziel kontraproduktiv. Denn was sind Schulden?
Schulden sind geliehenes Geld. B hat sich von A Geld geliehen. Damit ist aber das Geld bei A nicht verschwunden, es hat sich nur gewandelt. In Forderungen, die jetzt bei A in den Büchern stehen. Die A unter Umständen sogar beleihen kann, um sich selbst Geld zu leihen. Im Grunde hat sich das geliehene Geld also verdoppelt. Richtig gelesen, nicht nur Banken „machen” Geld, wenn sie welches verleihen, jeder macht das.
Wie dem auch sei, B investiert jetzt das geliehene Geld und erwirtschaftet damit hoffentlich einen Gewinn, der mindestens die Zinsen aufwiegt. Wie das bei einem Staat funktionieren kann, habe ich vor drei Beiträgen skizziert ( http://www.lennstar.de/gedanken/?p=112 ). Irgendwann sagt B dann: ich möchte das Geld zurückzahlen. B gibt A das Geld. B hat also kein Geld mehr. Und A? A hatte Buchgeld (die Forderung) und hat jetzt Bargeld. Die Geldmenge hat sich demnach halbiert.
Während also die Zentralbanken Geld in die Wirtschaft pumpen und Kreditzinsen für Deutschland auf historischem Niedrig-Stand sind, was machen wir Deutschen? Die Gelegenheit nutzen und ordentlich Geld leihen (und damit auch die Guthabenzinsen u.a. für Riesterverträge wieder ein wenig erhöhen)? Den Umstieg auf Elektroautos durch Bau von Elektrotankstellen und Subventionen an die Käufer fördern, so wie es China mit bis zu 15.000 Euro pro Auto tut? Auseinander fallende Schulen sanieren und die fehlenden Fachkräfte bilden? Die Holperpisten reparieren, die in den letzten zwei Wintern aus den Straßen geworden sind? Die Binnennachfrage ankurbeln? Und irgendwie gegen die immer noch vorhandenen Risiken der Bankenkrise absichern?
Nein! Wir Deutschen schreiben eine Schuldenbremse in unser Grundgesetz. Damit verringern wir die Ausgaben, verringern die Einnahmen und entziehen Geld, das dann die Notenbanken wieder drucken.

Ich kann nicht sagen, ob das richtig ist oder falsch, ich bin kein Wirtschaftsweiser (laut einem Statistiker haben die übrigens bei ihren Wirtschaftsprognosen seit ihrer Existenz schlechter abgeschnitten als der Zufall, soviel also zu entweder der Kompetenz dieser Leute oder der realen Möglichkeit einer Prognose). Aber mir erscheint das keine gute Idee.

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