Defective by Design

Nein, ich rede jetzt nicht über Computersachen. Vielmehr geht es um unsere Stromversorgung, die ein kleines Problem hat. Dieses Problem liegt nicht in der Abschaltung der Atomkraftwerke.
Apropos: erinnert ihr euch noch? Was wurde uns von der Atomlobby nicht alles so erzählt über die dramatischen, deutschlandweiten Stromausfälle, falls wir so viele Atomkraftwerke abgeschaltet lassen. Als diese ausblieben versuchte man angestrengt, die Panik dadurch zu schüren, dass die Benutzung von österreichischen Kaltreserven als Katastrophe hingestellt worde. Wie sich herausstellte, wurden die Kaltreserven nur genutzt, weil diese billiger waren als die in Deutschland bereitstehenden Kraftwerke. Zu diesem Zeitpunkt war die fossile Stromproduktion in Deutschland sogar auf dem tiefsten Stand seit Jahren!

Doch nun endlich ist es (beinahe) passiert! Oder doch nicht? Die Bundesnetzagentur hat jedenfalls einen Brief mit erheblicher Besorgnis an die größten Stromhändler verschickt. Grund für diese Besorgnis sind allerdings die Stromhändler selbst. Weil der Börsenpreis für Strom teilweise bis auf 380 € pro Megawattstunde angestiegen war (dank den französischen Elektroheizungen, die wegen des “billigen” Atomstroms so verbreitet sind), haben diese Händler angeblich einen Trick genutzt, um die zu diesem Zeitpunkt deutlich billigere Regelleistung nutzen zu können. Diese kostet nur etwa 100 € pro Megawattstunde. Sie haben einfach Ihre Verbrauchsprognose gesenkt, so dass sie an der Börse weniger Strom kaufen mussten. Das, was sie weniger eingekauft hatten, musste dann mit der Regelenergie ausgeglichen werden. Zeitweise betrug dieser Unterschied mehrere Gigawatt, also gleich mehrere Prozent der gesamten Strommenge. Die Regelenergie ist die letzte Reserve vor dem Stromausfall. Ist sie alle, wird es schwarz, und das kostet viele, viele Millionen. Jetzt wird überlegt, wie man das verhindern kann.
Dabei ist es doch ganz einfach: Regelenergie kostet immer zehn Prozent mehr als der Strom an der Börse. Damit kann man mit der Regelenergie keine Gewinne machen, und das Stromnetz wird durch die Gier der Stromhändler nicht an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Der Defekt im Design ist damit erledigt. Hätte man auch vorher drauf kommen können, oder?

Eines zeigt dieses Beispiel aber sehr gut: dass Infrastruktur nicht den freien Kräften eines freien Marktes überlassen werden darf. Denn der Gewinnerzielungsabsicht ist die Stabilität des Stromnetzes schlichtweg egal. Und sehr gut sieht man auch, dass es für ein Ereignis wie einen Stromausfall mehrere Auslöser geben kann. Wir sollten uns hier an den Kindern orientieren, die bei einem Stromausfall immer fragen würden, warum der Strom ausgefallen ist. Und nicht die wichtigste aller Frage vergessen: Wo ist das Geld?

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In der Kälte, aber mit Hitze im Herzen

Zuerst ein herzliches Danke! an alle, die am 11.2. auf der Demo in Magdeburg waren.

Wie war die Demo?

Bei unserer Ankunft kurz nach 15:00 Uhr wurden wir, aus der Tiefgarage kommend, im Einkaufszentrum erst einmal vielen Leuten begrüßt. Hatte sich die Demo aufgrund der Kälte nach innen verlagert?
Nein, das war es nicht, wie die Zusammensetzung (99% weibliche Teenager) schnell klarmachte. Letzte Zweifel vergingen eine halbe Minute später beim einsetzenden Gekreische. Irgend so ein Retorten-Sängerchen aus DSDS wahrscheinlich.
Schade, eine Viertelstunde eher, und man hätte ordentlich Flyer usw. verteilen können, während die Mädels warten.
Jedenfalls betraten wir den Bahnhofsplatz und es war schon ganz ordentlich voll (laut Polizei waren 500 Leute da, wie mir am Ende einer der Ordner sagte). Nicht überraschend fast ausschließlich junge Leute. Die meisten Fahnen kamen von den Piraten, auch wenn sie zahlenmäßig ruhig noch etwas besser hätten vertreten sein können.

15:30 ging es los. Eine kleine Bemerkung an dieser Stelle: Die Musik fand nur sehr geteilte Zustimmung. Trotzdem danke an den „Lautsprecherwagen“. Es ging auf einer Route zum Hasselbachplatz und auf einer anderen wieder zurück. Es war relativ still (akustisch) und sehr friedlich. Letzteres wird auch über die anderen Demos berichtet, es gab nur sehr vereinzelt kleine Zwischenfälle. Insgesamt gingen in Deutschland mehr als 100.000 Leute auf die Straße. Es war also, insbesondere für diese Temperaturen, eine doch recht erfolgreiche Aktion, vor allem, wenn man die kurze Vorbereitung bedenkt. Allerdings hat man auch gemerkt, dass nicht alle auf die Temperaturen vorbereitet waren. Seid kreativ, wenn ihr keine dicken Schuhe habt! Ein bisschen Alufolie oder ein kleines Stück Styropor zu draufstellen, wenn man nicht „auf dem Marsch“ ist, können Wunder wirken.

Die Flyer gingen gut weg, ich hab jedenfalls nur noch ein paar „Belegexemplare“ zurück bekommen. Auch die Kaperbriefe ließen sich gut an die Umstehenden verteilen. Man kann wohl sicher sein, dass jemand, der bei einer Demo eine solche Zeitung in die Hand nimmt, sie zumindest mal genauer ansieht.

Am Ende des Marsches am Bahnhof waren die Reihen schon etwas gelichtet und die Leute gingen dann sehr schnell. Es gab Mutmaßungen, das läge an der Musik, aber ich bin mir ziemlich sicher, es lag an der ansagelosen Verwirrung: Kommt jetzt noch was? Hier hätte eine einfache Durchsage „Wir machen noch Reden, wer ans Mikro will bitte nach vorne“, sicher 100 Leute mehr vor Ort gehalten.
Reden gab es dann nur drei. Eine vom Veranstalter, eine von mir und eine vom piratigen „Vorleser“ („Bevor ich jetzt die Rede ablese…“). Meine Rede gibt’s unten dran.

Es geht weiter

Die nächste bundesweite (europaweite?) Demo ist für den 25.2.2012 angesetzt. In meinen Augen viel zu schnell, es hätte ein Monat dazwischen liegen müssen, aber nun ja, ich kann es nicht mehr ändern.
Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Teilnehmerzahlen zu erhöhen. Wer gläubig ist, kann als ersten Schritt ja um wärmeres, aber trotzdem trockenes Wetter beten.
In Magdeburg ist scheinbar bereits eine Demo für diesen Tag angemeldet. Die Route sollte diesmal aber andersrum verlaufen, mit dem Zug an den großen Einkaufszentren vorbei, bevor bibbernde oder Zug-kriegen-wollende Leute an der grünen Zitadelle abspringen.

Meine Warm-mach-Rede zur Anti-ACTA-Demo in Magdeburg gestern:

Es ist kalt draußen im Winter, aber uns ist nicht kalt. Denn in unseren Herzen ist es warm. Sehr warm sogar. Heiß. Denn in uns wabert nicht mehr nur Wut, in uns lodert der Zorn.
Der Zorn auf diejenigen, die rücksichtslos ihre eigenen, erbärmlichen Interessen des noch-mehr-Geld-machens über das stellen, was Millionen von Menschen in mühevollen und oft blutigen Jahrhunderten erkämpft haben.
Das Recht, unsere Meinung frei zu äußern und uns frei zu informieren.
Das Recht zu kommunizieren, ohne dabei überwacht zu werden.
Der Grundsatz, dass jeder unschuldig ist, bis die Schuld bewiesen ist.

Die Rechteverwerter, diejenigen, die ihr Monopol auf das sogenannte „geistige Eigentum“ auf immer mehr Bereiche ausdehnen, sind zu weit gegangen. Nicht nur, dass sie uns bei jeder Handlung überwachen wollen. Nicht nur, dass sie uns vorschreiben wollen, zu was wir unsere Computer benutzen dürfen. Daran sind wir schon gewöhnt. Wir sind gewöhnt daran, dass wir für sie nur Konsumentenvieh sind, das gefälligst zahlen und die Schnauze halten soll.

Liebe Rechteverwerter. Wir müssen zugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben. Wir haben den Fehler gemacht zu versuchen, auf dieser Ebene mit euch zu reden. Wir haben euch boykottiert, doch das habt ihr nur als Anlass genommen, mehr Überwachung zu fordern. Wir haben mehr gekauft, doch das habt ihr nur als Vorwand für noch mehr Gängelung genommen, mit dem Scheinargument, dass dies ja wirkt.
Wir haben Statistiken vorgelegt, die gezeigt haben, dass alle Menschen profitieren, wenn die Gesetze die Kreativität nicht unterdrücken, aber ihr habt lieber eure eigenen Zahlen erfunden. Ihr habt nur an eure eigene Tasche gedacht und die Taschen der Politik gefüllt. Euer Geschäftsmodell ist euch wichtiger als unsere Bürgerrechte.

Doch jetzt wir haben verstanden. Wir werden nicht mehr mit euch reden. Wir werden nicht mehr katzbuckeln und Zugeständnisse machen, während ihr Amazonasfrösche patentiert und der dritten Welt die bezahlbaren Medikamente wegnehmt. Unsere Wut ist Verachtung gewichen und unsere Verachtung dem Zorn.
Ihr habt den Entscheidern Geld gegeben, damit sie in eurem Sinne entscheiden. Wir haben dieses Geld nicht. Aber wir haben das eine, das diesen Entscheidern noch wichtiger ist als Geld: Macht. Die Macht unserer Stimmen, und unsere Stimmen werden wir heute und in Zukunft erheben, wann immer ihr sie unterdrücken wollt, bevor ihr es uns verbietet!

Bevor ihr uns einen Schrecken ohne Ende herbeilobbyiert, werden wir euch ein Ende mit Schrecken bereiten!
Die stärkte Energie der Welt ist der Geistesblitz. Ihr versucht, diese Energie von Milliarden von Menschen einzusperren, auf dass sie nur euch nütze, aber ich sage euch, sie wird euch zerschmettern!

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Der Verfassungsschutz: Gegenüberstellung

Fragestellung: Nimmt der Verfassungsschutz seine Aufgaben objektiv und unabhängig von der Politik wahr?

Alle Angaben aus dem Kopf und daher ohne Gewähr.

Tote durch rechte Gewalt seit 1990:
- je nach Zählung rund 130-190
Tote durch linke Gewalt seit 1990:
- einstellige Zahl, letzter Tote 1993 durch die RAF

rechte Gewalt 2009:
- etwa 1000, hauptsächlich gegen Personen oder Häuser, große Dunkelziffer, teils Vertuschung/Ignorierung durch Polizei
linke Gewalt 2009:
- etwa 2000, hauptsächlich gegen Autos (allein mehr als 200 in Berlin), Dunkelziffer unbekannt

Anzahl der V-Männer und Finanzierung von Rechten durch Verfassungsschutz:
- mehr als 100 allein in der NPD, oft in verantwortlicher Position; hoher Anteil, nach Aussage von NPD-lern entscheidend für Partei gewesen
Anzahl der V-Männer und Finanzierung von Linken durch Verfassungsschutz:
- Unbekannt für DieLinke, gesichert in vielen linken Gruppierungen wie Anti-AKW, attac, Hochschulgruppen; Unbekannt

Anzahl der gegen grundlegende Bürgerrechte verstoßenden Gesetze durch CDU/CSU:
- mehrere vom BVerfG kassiert
Anzahl der gegen grundlegende Bürgerrechte verstoßenden Gesetze durch DieLinke:
- keine

Anzahl der vom Verfassungsschutz beobachteten Abgeordneten CDU/CSU:
- keine
Anzahl der vom Verfassungsschutz beobachteten Abgeordneten die Linke:
- 27

Wiederholung der Fragestellung: Nimmt der Verfassungsschutz seine Aufgaben objektiv und unabhängig von der Politik wahr?

———————-

u.a. Begründung für Überwachung von Abgeordneten DieLinke:
da sie abzielen auf „grundlegende Veränderungen der herrschenden Eigentums-, Verfügungs-, und Machtverhältnisse“

hmmm…. Copyright, (Gen- und Software-)Patente, (Creative) Commons, Transparenz, Kommunikationstechnologie, BGE…
Wenn die Piraten in den Bundestag kommen, muss der Verfassungsschutz sein Personal glatt verdoppeln.
Gibt es überhaupt eine ernsthafte politische Bewegung, die nicht auf eine „grundlegende Veränderungen der herrschenden Eigentums-, Verfügungs-, und Machtverhältnisse“ abzielt, wenn ggf. auch nur auf ihrem kleinen Bereich?
Selbst PETA will Eigentums- und Verfügungsrechte über Tiere ändern, und damit auch Machtverhältnisse.

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Megaupload: Rache aus Hollywood?

Was für eine Woche! Zumindest für die Copyright-Kontroverse.

Nach dem Blackout-Sopa-Mittwoch, über den ich in den letzten beiden Beiträgen geschrieben habe, folgte am Donnerstag die Verhaftung der Verantwortlichen von Megaupload.
Wer es nicht kennt: Megaupload ist eine Plattform, auf der jeder Nutzer Dateien hochladen kann, damit andere sie runterladen können. So etwas ähnliches wie ein Lagerhaus für Dateien also.
Nach eigenen Angaben hatte Megaupload 150 Millionen registrierte Benutzer und 50 Millionen Seitenabrufe pro Tag. Es war also eine der größten Seiten der Welt.

Und die Sache am Donnerstag hat auch eine große Portion G’schmäckle. Denn:
Die Verhaftung geschah auf Veranlassung der USA. In Neuseeland. Festgenommen wurden Leute, die weder US-Bürger noch Neuseeländer waren, darunter drei Deutsche. (Mithilfe des BKA) Die Firma ist registriert in Hong-Kong. Zudem soll die Firma sich sogar an das US-DMCA-Gesetz gehalten haben, nachdem Seitenbetreiber auf Hinweis illegales Material entfernen müssen.
Wenn das so ist, bleibt eigentlich nur die Anschuldigung der Unterstützung oder Vorbereitung o.ä. von Verletzungen des Copyright.
Von der Datenautobahn auf die Offline-Straße übertragen heißt das also: Hier wurden Bauarbeiter verhaftet, weil sie in vollem Wissen und mit Billigung der Folgen Rasern eine Möglichkeit zum Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit gegeben haben. Oder im schlimmsten Fall es sogar Dieben erlauben, sich mit ihrem Diebesgut, zum Beispiel gestohlenen Autos, abzusetzen.

Reaktion auf #BlackoutSOPA?

Doch besonders interessant wird es, wenn man das Datum betrachtet. Am Vortag erst haben in einer großen Aktion Dutzende von bekannten Internetseiten gegen zwei Gesetze (SOPA und PIPA) protestiert, die von der Rechteverwertungsindustrie lobbyiert wurde. Rache? Demonstration der Stärke?
Eines der Hauptargumente war, dass man nichts gegen ausländische Internetseiten machen könnte. Noch mal zur Erinnerung: Megaupload ist eine Hong-Konger Firma, betrieben von Leuten aus mehreren Staaten, die in Neuseeland verhaftet wurden.
Offensichtlich hat die Lobby auch hier wieder gelogen. Ist ja nicht das erste Mal, auch in Bezug auf Megaupload. Als diese ein Werbe-Video auf Youtube platzierten, in dem viele nahmhafte Künstler sich für Megaupload aussprachen, verschwand das Video. Begründung: Copyright-Verletzung.
Was definitiv nicht stimmte.
Auch nachdem das klar war verschwand das Video noch einmal. Diesmal kam als Begründung sinngemäß: Wir haben einen Geheimvertrag mit Youtube, nachdem wir alles runternehmen können, was uns nicht gefällt. Youtube dementierte dann, dass das Megaupload-Video nicht unter die im Vertrag genannten Kategorien fiel.
Wie auch immer: Klar ist, dass da von Seiten der Contentindustrie gleich mehrmals unter der Gürtellinie zugetreten wurde.

Da also Megaupload sich wahrscheinlich gerade im Zielfokus der Industrie befand, stellt sich die Frage: War der Zeitpunkt Zufall oder eine Reaktion auf den zivilgesellschaftlichen Protest vom Vortag?

Ich persönlich glaube nicht, dass es nur einen Tag dauert, in einem Nachbarland jemanden verhaften zu lassen. Allerdings werden ja auch in Europa „Hausdurchsuchungen“ bei Parteien auf Zuruf aus dem Ausland gemacht (siehe Servergate), also wer weiß… Außerdem wusste ja auch die MPAA 2 Wochen vorher von der Aktion.
Wenn es in Zusammenhang steht, stellt sich natürlich die Frage(n): Wer und warum?

Die erste Vermutung wäre Lobbyarbeit der MPAA. Auf der anderen Seite traue ich denen, trotz aller Realitätsblindheit, nicht zu, so dumm zu sein. Stärke demonstrieren, indem man… sagen wir 20 Millionen Amerikanern eine ihrer wichtigsten Seiten wegnimmt? Und einen Tag nach #BlackoutSOPA zeigen, dass man auch dort gelogen hat? Neee… kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Bleiben also eigentlich nur noch die politischen Sockenpuppen. Und bei diesem Gedanken musste ich spontan an meinen gestrigen Beitrag denken und den letzten Satz der MPAA-Presseerklärung, den ich für eine versteckte Drohung hielt (und halte).

It is our hope that the White House and the Congress will call on those who intend to stage this “blackout” to stop the hyperbole and PR stunts and engage in meaningful efforts to combat piracy.”
(Es ist unsere Hoffnung, dass das Weiße Haus und der Kongress jene, die dieses “Blackout” inszenieren, auffordern werden, diese Übertreibung und diese PR Stunts zu beenden und sich in bedeutenden/sinnvollen Bemühungen engagieren werden, Piraterie zu bekämpfen.)

Für die MPAA dürfte die Zerschlagung von Megaupload ohne Zweifel ein „meaningful effort to combat piracy“ sein. Hat die Drohung gewirkt? Gab es eine Absprache? Oder ist das nur Zufall und eine Verschwörungstheorie?
Aber allein die ernsthaft existierende Möglichkeit, ob sie nun zutrifft oder nicht, sollte Anlass zu größter Sorge sein.

Oder wie Rick Falkvinge es ausdrückt:
“It is extremely disturbing that a non-US citizen running a non-US business on non-US soil can be arrested by US authorities for breaking US law,” wrote Rick Falkvinge, the founder of the Pirate Party Sweden, in an e-mail sent to Deutsche Welle. “If the Americans are running the world by this kind of force, then I demand voting rights in the United States.”

Oder Ausschaltung der Konkurrenz?

Eventuell war es aber auch „nur“ eine vorbereitete Aktion, denn Megaupload war nach eigener Aussage dabei, die herkömmlichen Verwerter im Alleingang überflüssig zu machen:

Megaupload founder Kim Schmitz said Universal “knows that we are going to compete with them via our own music venture called Megabox.com, a site that will soon allow artists to sell their creations directly to consumers while allowing artists to keep 90 percent of earnings.”

Even more interesting is Schmitz boasting another service called Megakey, a solution he says will allow artists to generate income off of free downloads

Megaupload-Gründer Kim Schmitz sagte, dass Universal „weiß, dass wir bald durch unser eigenes Musikgeschäft, genannt Megabox.com, mit ihnen konkurrieren werden, eine Seite die es Künstlern bald erlauben wird, ihre Werke direkt an Konsumenten zu verkaufen und 90% der Einnahmen zu behalten.“

Sogar noch interessanter ist, wie Schmitz mit einem anderen Dienst namens Megakey prahlt, eine Lösung, die es nach seinen Worten Künstlern erlaubt, Einkommen von kostenlosen Downloads zu generieren. [vermutlich durch anteilige Werbeeinnahmen, Anm. d. Verf.]

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Schwarzes Internet II

Einen Tag ist es her, und es gibt viel zu sagen zum „Blackout SOPA“-Tag. Doch wo anfangen?

Ich fange mal mit etwas an, das mich so richtig aufgeregt hat. Mit der Presseerklärung der MPAA zu Blackout SOPA einen Tag vorher. Das Original findet ihr hier.

Ich werde den Text einmal komplett übersetzen und dann auseinander nehmen.

——————

ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG
17. Januar 2012

WASHINGTON – Das Folgende ist eine Stellungnahme von Senator Chris Dodd, Vorsitzender und CEO der Motion
Picture Association of America, Inc. (MPAA) zum sogenannten “Blackout Day”, der gegen die Antipiraterie-Gesetzgebung protestiert.

“Nur Tage nachdem das Weiße Haus und Hauptunterstützer der Gesetzgebung auf die von den Gegnern geäußerten Hauptsorgen reagiert und alle Beteiligten aufgerufen haben, kooperativ zusammen zu arbeiten, greifen einige Technologieunternehmen (technology business interests) auf Stunts zurück, die ihre Nutzer bestrafen oder in ein Pfand für ihre Unternehmensinteressen verwandeln, statt an den Tisch zu kommen und Lösungen für ein Problem zu finden, das, so scheinen alle übereinzustimmen, sehr real und schädlich ist.

Es ist eine unverantwortliche Reaktion und ein Bärendienst für Leute, die sich für Informationen und Dienste auf sie stützen. Es ist auch ein Machtmissbrauch in Anbetracht der Freiheiten, die diese Unternehmen heute auf dem Markt genießen. Es ist eine gefährliche und ärgerliche Entwicklung, wenn Plattformen, die als Portal für Informationen dienen, absichtlich die Fakten verdrehen, um ihre Benutzer anzustiften mit dem Ziel, ihre Unternehmensinteressen durchzusetzen.

Ein so genannter “Blackout” ist nur ein weiterer Kniff, wenn auch ein gefährlicher, entworfen um gewählte und administrative Offizielle, die sorgfältig daran arbeiten, amerikanische Arbeitsplätze vor ausländischen Kriminellen zu schützen, zu bestrafen. Es ist unsere Hoffnung, dass das Weiße Haus und der Kongress jene, die dieses “Blackout” inszenieren, auffordern werden, diese Übertreibung und diese PR Stunts zu beenden und sich in bedeutenden/sinnvollen Bemühungen engagieren werden, Piraterie zu bekämpfen.”

———–

Tolle Sache, was? Das Ding hat so viel Spin, das hebt die Quantenphysik glatt auf ein neues Level. Doch der Reihe nach.

Zuerst wird uns die Unabhängigkeit der US-Legislative vor Augen geführt.
von Senator Chris Dodd, Vorsitzender und CEO der MPAA

dann folgt der erste Drall
Antipiraterie-Gesetzgebung
Hier wird schon mal festgelegt, worum es geht, damit ja niemand auf die Idee kommt, etwa „Zensurmaßnahmen“ zu denken.

von den Gegnern geäußerten Hauptsorgen reagiert
Wie wurde reagiert? Ich habe nichts mitgekriegt. Außer, dass alle Kritiker nach bestem Bemühen von jeglicher Beteiligung am Prozess gehindert worden sind. Oder ist das Angebot gemeint, die – ohnehin zu diesem Zeitpunkt schon von mehreren Browser-Addons ad absurdum geführten – DNS-Sperren vorerst herauszunehmen (aber den Rest wie Suchmaschinen-, Werbungs-, und Kontoverbot zu lassen)?

alle Beteiligten aufgerufen haben, kooperativ zusammen zu arbeiten,
Das ist ungefähr so, als hätten früher die Sklavenhändler die Sklaven aufgefordert, kooperativ bei der Entwicklung eines neuen Auspeitschsystems zusammen zu arbeiten.

auf Stunts zurück
Stunt ist laut der englischen Wikipedia „ein ungewöhnliche und schwierige physikalische Aktion, oder jede Aktion, die eine besondere Fähigkeit erfordert, ausgeführt für künstlerische Zwecke in TV, Theater oder Kino.“
Ein „Blackout“ im Internet ist zwar zugegeben ungewöhnlich, aber nicht sonderlich physisch. Es ist auch nicht schwierig und erfordert keine besondere Fähigkeit, den Stecker zu ziehen (auch wenn die meisten Teilnehmer etwas mehr Aufwand betrieben haben). Es war ebenfalls nicht künstlerisch, sondern politisch. Den letzten Punkt lasse ich mal als unvollständige Liste offen.
Mit anderen Worten: Die Definition eines Stunts ist in der Mehrzahl der Punkte nicht erfüllt. Wahrscheinlich wollte die MPAA hier irgendwie die Bedeutung von „wahnsinnig“ reinbringen.

greifen einige Technologieunternehmen … Nutzer bestrafen oder in ein Pfand für ihre Unternehmensinteressen verwandeln
Welche Technologieunternehmen sind gemeint? Wikipedia? Boing Boing? xkcd? Das einzige größere Unternehmen, das zu den Beginnern der Bewegung gezählt werden kann und komplett schwarz gemacht hat, war meines Wissens nach reddit. Andere, z.B. google, haben auf das Gesetz hingewiesen, ihre Nutzer aber nicht behindert, bestraft oder gar zu ihren Sockenpuppen gemacht. Sonst könnte man auch sagen, Zeitungen würden ein Gesetz kaputt machen, wenn sie vorher darüber berichten. Kann natürlich passieren, wenn das Gesetz Mist ist, aber das ist dann nicht die Schuld der Zeitungen, sondern deren Aufgabe.

für ein Problem zu finden, das, so scheinen alle übereinzustimmen, sehr real und schädlich ist.
Hui, Maha hätte hier seine Freude dran, glaube ich. Ein Problem das nicht benannt wird, und von dem nicht mal die MPAA behauptet, dass es alle für existent halten. Es folgt etwas Schmutzwerfen und

Machtmissbrauch in Anbetracht der Freiheiten
Ah, hier hört man, woher der Wind weht. Freiheiten sind blöd. Man kann sie benutzen, um eine Meinung zu äußern. Machtmissbrauch! Wer im Internet ist, soll gefälligst nur das sagen und tun, was die MPAA erlaubt!

Es ist eine gefährliche und ärgerliche Entwicklung [für die MPAA, Anm. d. Autors]
Das glaube ich gerne :D Es ist immer ärgerlich und gefährlich für die Macht, wenn die einfachen Leute protestieren.

absichtlich die Fakten verdrehen

Fakten verdrehen. Hihi. Ausgerechnet die MPAA spricht von Fakten verdrehen. *prust*

ihre Benutzer anzustiften
Das hatten wir ja schon bei den Technologieunternehmen. Die Leute waren es, die Unternehmen wie google angestiftet haben. Und selbst wenn: alles freie Meinungsäußerung. Obwohl es sicherlich in den Augen der MPAA einer Anstiftung zur Straftat entspricht, wenn man über ihre Lobbyaktivitäten und Hausgesetze berichtet.

Ein so genannter “Blackout” ist nur ein weiterer Kniff, wenn auch ein gefährlicher,
Gefährlich? Hmm… das gefährlichste, das ich mir momentan vorstellen kann ist, dass ein Schüler eine 6 kriegt, weil er zu doof war, seine Hausaufgaben auf einer anderen Seite abzuschreiben. Ehrlich MPAA: Was besseres als „gefährlich“ ist euch nicht eingefallen?

um gewählte und administrative Offizielle … zu bestrafen
Wenn ich also meinem Volksvertreter meine Meinung mitteile, ist das eine Bestrafung? Das wird ja immer absurder.

daran arbeiten, amerikanische Arbeitsplätze vor ausländischen Kriminellen zu schützen
Dass die Offiziellen daran arbeiten mag ja sogar sein, aber ob sie das auch schaffen? SOPA und PIPA dürften eher massiv amerikanische Arbeitsplätze vernichten, ohne eine ernsthafte Schutzwirkung zu entfalten. Und ist für ausländische Kriminelle nicht erst einmal das Ausland zuständig?
Wieder Behauptungen im luftleeren Raum, die als Tatsachen hingestellt werden.

Es ist unsere Hoffnung,
Entweder pluralis majestatis; oder ein freudscher Versprecher, auf ein Palaver der SOPA-Firmen; oder der dezente Hinweis, dass es unter den SOPA-Firmen Übereinstimmung gab für folgendes:

dass das Weiße Haus und der Kongress jene, die dieses “Blackout” inszenieren, auffordern werden, diese Übertreibung und diese PR Stunts zu beenden und sich in bedeutenden/sinnvollen Bemühungen engagieren werden, Piraterie zu bekämpfen.”
Ich kann mir nicht helfen. Wenn ich es mit gutmütiger Grundstimmung lese, lese ich nur eine leere Phrase in einem Hohlkörper. Wenn ich es mit… sagen wir erfahrungsbasierter Grundstimmung lese, erkenne ich eine Drohung an das Weiße Haus und den Senat. Droht die MPAA (+andere, siehe oben), den Geldhahn zuzudrehen?

Fazit

Es scheint so, als ob die MPAA hier der sprichwörtliche getroffene Hund ist. Auf jeden Fall scheinen sie mit derart umfassenden und vor allem sichtbaren Widerstand nicht gerechnet zu haben. In der ganzen PM gibt es nicht einen einzigen Fakt (Korrektur: Das Datum und die Posten von Chris Dott stimmen wahrscheinlich). Dafür gibt es jede Menge schwammige Anschuldigungen und jede Menge geworfenen Schmutz. Und eine mehrfache Aufforderung an die US-Legislative, sich doch bitte nicht vom Pöbel bei der Gesetzgebung zugunsten Hollywoods stören zu lassen.
Ich denke, die MPAA hat hier zumindest ein wenig ihre Felle wegschwimmen sehen. Die ganze PM ist interpretierbar als das Bestehen auf der Autorität ihrer Sichtweise – und wer auf seine Autorität pochen muss, hat sie (zum Teil) schon verloren und spürt es.

Einschätzung des Ergebnisses von Blackout SOPA

SOPA

Ich denke, alle freiheitsliebenden Menschen können mit dem Ergebnis recht zufrieden sein. Ohne Zweifel hat der Blackout massive Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt. Immer mehr Politiker ziehen ihre Unterstützung zurück, der taktische Sieg scheint schon fast gesichert.
Allerdings sollte man sich auch mal sie Statements der Abgeordneten ansehen: Durch die Bank schreiben sie nur, dass sie momentan wegen handwerklichen Fehlern nicht zustimmen. Keiner erwähnt grundlegende Gewissensbisse bei einem Zensurgesetz.

langfristige Auswirkungen

Aber wie steht es um die strategische Perspektive?
Sehen wir uns ein paar Zahlen an:
16 Millionen Wikipedia-Nutzer haben den Blackout gesehen. Aber gerade einmal 5% sahen sich die Informationen dazu an. Dennoch sind das 800.000 Leute. Wenn wieder nur 5% von denen aufgrund des WP-Blackouts mittel- oder langfristig politisch aktiv werden gegen solche Gesetze, dann bedeutet es 40.000 Aktivisten.
Das ist eine große Zahl, aber verteilt auf die USA dennoch nur einer auf knapp 8000 Menschen. Aber: die deutsche Piratenpartei hat derzeit ein Mitglied pro 4000 Menschen, und bei weitem nicht alle sind aktiv. Mit ein bisschen Glück ist also die selbe politische Kraft (minus Struktur und Erfahrung) entstanden. Das lässt eigentlich hoffen. Vor allem wenn man bedenkt, dass auch andere Internetseiten „rekrutiert“ haben, auch wenn man auf allen Seiten wiederum diejenigen abziehen muss, die schon aktiv waren.
Die Frage ist jetzt, ob Organisationen wie die EFF oder auch die (gerade erst oder noch nicht) vorhandenen Piratenparteien in den USA dieses Momentum nutzen und in wertvoll genutzte Energie umwandeln können. Zu hoffen ist es, nicht nur für dieses politische Feld. Das Tragen des Protestes auch in die offline-Welt dürfte dazu essentiell sein.
Auf jeden Fall wird es wohl mehr politische Gespräche gegeben haben als seit langer Zeit, und das ist nur zu begrüßen.

Auswirkungen auf das politische Washington

Für das politische Washington und die MPAA muss eine beängstigende Aktion gewesen sein. Für die Politiker ging es um das eine, was sie noch mehr haben wollen als „Wahlkampfgelder“: direkte Stimmen. Sowohl bei Bush als auch bei Obama war die Wahl sehr oft sehr knapp. Es ist nicht zu erwarten, dass sich das ändert. Ein paar Zehntausend Stimmen, die wegen „Zensurgesetzen“ abwandern, können für den ein oder anderen Abgeordneten, egal in welchem Haus, das Aus bedeuten.
Die MPAA wiederum hat gespürt, dass der Widerstand gegen sie wächst – und sie zumindest diesmal die Gegner von SOPA und PIPA nicht einmal als „Piraten“ diffamieren kann. Schon allein, weil das Gesetz offiziell sich nur gegen „ausländische Kriminelle“ richtet.

Zukunft

Trotz allem wird die MPAA nicht aufhören. Ihre Existenz hängt von der Aufrechterhaltung des Copyright-Monopols ab. Um dieses durchzusetzen wird sie, zusammen mit anderen Interessengruppen, weiterhin darauf abzielen, die Menschen in ihren Möglichkeiten zu kopieren einzuschränken – denn das ist der einzig mögliche Weg, dieses Ziel zu erreichen. Insofern hat Cory Doctorow’s Vortag zum 28C3 über den „coming war on general computation“ nur noch mehr Bedeutung gewonnen. Siehe dazu auch: Secure Boot.

Es ist daher zu erwarten, dass sich das übliche Muster nicht ändern wird: Trifft ein Gesetz auf zu viel Widerstand, kürzt man die schlimmsten Sachen raus oder lässt es im extremsten Fall fallen, nur damit es mehr oder weniger identisch ein paar Monate später wieder auftaucht.

Ich wäre außerdem nicht überrascht, wenn erst einmal der Druck auf das Ausland zunehmen wird – Beispiele gibt es genug: in Kanada die heftig umkämpfte C11-bill, in Spanien das nach großen Protesten vorläufig zurückgezogene, aber dann doch zum Jahreswechsel verabschiedete, sogenannte Ley Sinde.

Weitere interessante Links:

http://netzpolitik.org/2012/defend-our-freedom-to-share-or-why-sopa-is-a-bad-idea/

http://gigaom.com/2012/01/18/brad-feld-why-sopa-pipa-must-be-stopped/

https://static.thepiratebay.org/legal/sopa.txt

http://netzpolitik.org/2012/defend-our-freedom-to-share-or-why-sopa-is-a-bad-idea/

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Schwarzes Internet – SOPA und PIPA

[Lizenz: CC-by-nc]

Gegenwärtig stehen zwei Gesetzesanträge in den USA an, die – unter dem bekannten Vorwand des „Schutzes von geistigem Eigentum“ – eine ungeheuerliche Gefahr für die Menschenrechte im Internet wären.

Kurz zusammengefasst würden diese Gesetze es der Unterhaltungsindustrie (und anderen) erlauben, nach eigenem Gutdünken Seiten sperren zu lassen. Doch nicht nur das: Die Verantwortung der Durchsetzung wird auf die Firmen abgewälzt. Beispielsweise wäre Seite X verpflichtet, jeden Link auf ein Video des Filmes V zu entfernen. Falls X dieser Verpflichtung in den Augen der Monopolverwerter nicht ausreichend nachkommt, könnte X selbst geblockt werden. Auch Suchanfragen dürften nicht mehr auf X verlinken. Werbeanbieter dürften auf X keine Werbung mehr schalten, aber das wäre X dann ohnehin egal, da auch X’s Konten gesperrt würden.

Aber warum sollte mich das kümmern, fragt ihr? Das ist doch in den USA?
Richtig, das ist in den USA und darunter fallen „nur“ Sachen, auf die die USA Einfluss hat. Also z.B. alle .com, .org, .edu… Domains. Und Schweden (PirateBay, erinnert ihr euch noch?) und Spanien (Druck der USA für SOPA-ähnliches Gesetz; Drohung Spanien auf eine schwarze Liste zu setzen).

Außerdem könnt ihr Gift drauf nehmen, dass die Verwertungsindustrie, egal ob mit oder ohne politische Unterstützung aus Washington, versuchen wird, ähnliche Gesetze auch in Europa und dem Rest der Welt durchzudrücken.

Die Frage, ob es dich betrifft, kann mit einer Gegenfrage beantwortet werden: Benutzt du das Internet? Wenn ja, dann ja.

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein! GG Art. 5 auch im Netz!

Aus Protest werden viele Seiten in den USA und im Ausland (bspw. Wikipedia, Mozilla, Minecraft) am 18. Januar, dem Datum einer Anhörung von SOPA im US-Senat, ihre Seiten „blocken“ und schwärzen oder zumindest deutlich auf das Zensurgesetz SOPA hinweisen. Wenn ihr eine Webseite habt, dann macht mit!

Keine Webseite? Dann Twitterprotest: Macht mit bei #BlackoutSOPA http://www.blackoutsopa.org/ – Damit Politiker in jedem Land erfahren, was wir von sowas halten!
#SOPASTRIKE – Twittersturm am 18.

US-Infoseite über SOPA und PIPA: http://americancensorship.org/

Liste mit Seiten die streiken u.a.: http://sopastrike.com/

Tante Edith Update sagt: Hier ist die Seite, die während des Streiks vorgeschlagen wird: http://americancensorship.org/modal/sopastrikeoverlay.html

Blogbeitrag von Cory Doctorow zu SOPA
(Original), Übersetzung von mir:

Boing Boing wird sich am 18. Januar Reddit und anderen Seiten im Internet darin anschließen, sich zu “verdunkeln”, um gegen die Gesetzesvorschläge SOPA und PIPA zu protestieren, die ein drakonisches Zensurregime errichten und in die ganze Welt exportieren würden. Boing Boing könnte niemals mit einer SOPA-Welt koexistieren: wir könnten nie zu einer anderen Webseite verlinken, sofern wir nicht sicher sind, dass keine Links auf dieser Seite aufgetaucht sind, die gegen ein Copyright verstoßen. Um also einen Link auf LiveJournal oder WordPress oder Twitter oder Blogspot zu setzen, müssten wir zuerst überprüfen, dass niemals irgendjemand einen gegen Gesetze verstoßenden Link auf diesen Seiten gepostet hat. Einen Link zu setzen würde bedeuten, Millionen (oder Zehnmillionen) von Seiten zu überprüfen, nur um sicher zu sein, dass wir in einer keiner Weise die Fähigkeiten von fünf Hollywood-Studios, vier multinationalen Plattenfirmen und sechs globalen Verlagen beeinträchtigen, ihren Profit zu maximieren.

Wenn wir darin versagen würden, diese Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, könnten unsere Gelder eingefroren werden, unsere Werbepartner gezwungen sein, ihre Werbung von unserer Seite abzuziehen, und je nachdem, über welche Version des Gesetzes abgestimmt wird, könnten unsere Domains beschlagnahmt werden und, da unser Server in Kanada steht, würde unsere IP-Adresse auf einer US-weiten Blacklist landen, die jeder Diensteanbieter gezwungen wäre zu filtern.

Dies ist der Teil meines Posts, in dem erwartet wird, dass ich irgendetwas Vernünftiges sage wie “Jeder stimmt darüber überein, dass Piraterie falsch ist, aber das ist der falsche Weg, sie zu bekämpfen.”

Aber wisst ihr was? Ihr könnt mich mal!

Obwohl ein substantieller Anteil meines Einkommens von der Unterhaltungsindustrie kommt, glaube ich nicht, dass irgendein Ausmaß von “Piraterie” diese Art von verdorbener Gleichgültigkeit für das Ausmaß der Konsequenzen des Handelns rechtfertigt. “Big Content” hat nicht nur Boing Boing, Reddit und dem Rest des “spaßigen” Internets den Krieg erklärt: Sie haben den Krieg erklärt gegen jede Person, die das Netz nutzt, um Videos von Polizeibrutalität zu publizieren, gegen jede unterdrückte Person im “arabischen Frühling”, die das Netz genutzt hat, um Proteste zu organisieren und über das Blut zu berichten, das ihre Unterdrücker vergossen haben. Sie haben den Krieg erklärt gegen jedes missbrauchte Kind, das das Internet nutzt, um seinen Vater als brutalen Schläger aufzudecken; jedes homosexuelle Kind, das im Netz erkennt, dass die Welt lebenswert ist, egal, welche Zerreißprobe es erfährt. Gegen jeden Graswurzelaktivisten, der das Netz benutzt, um seine Gemeinschaft zu einem besseren Platz zu machen – und genauso gegen jeden Wissenschaftler, der im Netz mit anderen zusammen arbeitet, sowie gegen die Rettungskräfte, die sich im Netz koordinieren. Es geht gegen die Macher (DIY?), die im Netz Tips austauschen, gegen die Leute mit seltenen Krankheiten, die sich gegenseitig online unterstützen, und gegen die unabhängigen Kreativen, die das Internet nutzen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Missachtung der Menschenrechte, die von SOPA und PIPA gezeigt werden, ist mehr als Dummheit. Dummheit kann entschuldigt werden. Es ist mehr als Gier. Gier überrascht uns nicht. Es ist teuflisch, und es muss bekämpft werden.

SOPA Strike fertigt eine Liste mit Seiten an, die am 18. Januar ebenfalls “dunkel” gehen werden. Wenn Du ein Internet möchtest, in dem die Freiheit der Rede und die Herrschaft des Gesetzes nicht den Profiten der Unterhaltungsindustrie untergeordnet werden, dann hoffe ich, dass Du uns folgen wirst.

Danke.

Übersetzungspad: http://piratenpad.de/DoctorowSOPA
gegenwärtig en-Original, deutsch von mir, Italienisch, Catalanisch

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Digital Activism Decoded

Digital Activism Decoded

So nennt sich die Sammlung von Texten (englisch), die sich dem Aktivismus im Internet widmet. Aufgrund der Vielzahl der Texte, Themen und Ansichten ist es schwierig, etwas allgemein Gültiges dazu zu sagen. Wer Zeit hat, sollte sich dieses Buch aber mal durchlesen.
Für alle die, nur die wichtigsten „Erkenntnisse“ daraus haben möchten, habe ich mir die Mühe gemacht, alles, was in meinen Augen an Punkten *für Aktivisten* wichtig ist, aufzuschreiben. (Zahlen in Klammern sind Seitenzahlen) Wohlgemerkt kann man, je nach persönlichem Wissensstand, auch viel mehr Dinge herausziehen. Die Punkte sind aufgeführt ohne Wertung und Einschätzung.

Weitere Informationen und Links sowohl zum Papierbuch als auch zum Creative-Commons .pdf findet ihr bei den Musikpiraten.

Inhalt

Vergleich Fahrrad mit Digital Activism: Die Infrastruktur für Radfahren = Infrastruktur für DA (Netz)
beides nutzen für Gewohnheitsaktivitäten (habitual activities)
Der Wert ergibt sich aus einem aggregierten Effekt
DA → Einfachheit, dezentrales Netz
Universalität = Code , perfekte Kopien nötig: Anwendungen → bedeutungsvolle Informationen (meaningful information) —> offener Code
Nutzung kommerzieller Angebote -> Aktivisten sind in Gefahr oder der Gefahr ausgesetzt verraten zu werden
Kosten für Geräte und Dienste
soziale Normen haben Einfluss auf Zugang : Mädchen rennen nicht, Jungs sitzen deshalb an allen Computern
Verfolgung durch Staat

2 Sichtweisen: 1. Aktivismus, der neue Tools nicht nutzt
2. Digitale Transformation – Aktiv nur ein Teil
3 Sichtweisen: Optimisten, Pessimisten, Persistente (nichts ändert sich)
1. Optimisten:
es gibt 2 Prinzipien:
A) Netzwerke funktionieren außerhalb traditioneller Hierarchien
B) Technologie ist sozial konstruiert – die Nutzung bestimmt die Bedeutung z.B. Youtube für politische Videos
2 Pessimisten: Digitale Technologie bietet neue Möglichkeit zur Kontrolle und Überwachung und Verfolgung
3 Persistenten: Netzwerktechnologie vereinfacht lediglich existierende Praktiken Bsp. Papier und e-Petition
Schon die Netzwerk-mail des Arpanets kannte politische Nachrichten. Und auch Missbrauch: Das Pentagon sammelte Daten über „Problemmacher“, ein Gericht befahl die Zerstörung der Datei und vor der Zerstörung wurde sie über das Arpanet woanders hin gesendet.

Die Aufmerksamkeit war damals auf wenige Seiten beschränkt.
November 1999: WTO-Proteste: Da diese in den Mainstream Medien kaum und wenn dann nur falsch dargestellt wurden, wurde Indymedia gegründet.
Meetup.com diente der Revitalisierung lokaler Gemeinschaften
Bsp. für Erfolg und Gegenwehr des Graswurzeljournalismus: Burma 2007: Journalisten wurden aus dem Land geworfen, aber einige Bewohner sendeten Fotos und Videos. Als Reaktion erfolgte die komplette Abschaltung der Kommunikationsinfrastruktur einschließlich des Handyverkehrs.

Große Plattformen Vorteil: Zu große Aufmerksamkeit bei großflächiger Zensur, Nachteil: Verfolgung durch die Polizei viel einfacher durch Konzentration
Crabgrass – sicherer Hafen durch nicht-kommerzielle und Open Source Software

Facebook wird als Propagandakanal von Kriegsseiten genutzt. Beispiel Gaza 2008-09 – Raketenstarts, tote Palästinenser
Ushahidi („Zeuge“ in Swahili) – Crowdsourcing Karte von Gewaltreporten

Hype Cycle:
1. Technology Trigger (Auslösende Technologie) – Start der neuen Technologie oder des neuen Produktes, es gibt erste Erfolgsberichte, Early Adopters steigen ein
2. Peak of Inflated Expectations (Gipfel der aufgeblasenen Erwartungen) – höchste Erwartungen an die Technologie, es gibt noch keine best practices – die Mehrheit kann noch nicht den größten Nutzen ziehen
3. Trough of disillusionment (Tal der Desillusion) – Leute mit unrealistischen Erwartungen sind enttäuscht und steigen aus, beschweren sich
4. Slope of Enlightement (Kurve der Erleuchtung) – realistischeres, erfahrungsbasierte Einschätzung; besseres Verständnis des tools
5. Plateau der Produktivität – best practices sind bestimmt, Pros und Cons sind allen bewusst

Aktivisten müssen sich über das Potential einer Technik im Klaren sein, bevor sie sich ihr verschreiben. Die Strategie hängt aber auch von den Aktivisten ab, ob „Konservative” oder „Early Adopters“.

Verstandesprüfung (Sanity Checks)
Was sind die Ziele? der Organisation, der Nutzung
Wie funktionieren die Dinge momentan? Was definitiv verändern, was behalten?
Welche Ressourcen sind verfügbar?
Altes und Neues – Vorteile und Nachteile

Mobiltelefone wichtigstes Werkzeug weltweit, mehrere SIM-Karten für jeweiliges preisgünstigsten Angebot oder zur Überwachungsumgehung, Smartphones haben mehrere Nutzen → genetzwerkter Individualismus (networked Individualism): 1 : 1 und 1 : viele – Kommunikation
SMS genutzt zur Koordination und Nachrichtenverbreitung, wenn Sender ausgefallen sind
- Bulk Text Messaging, Photo und Video, Klingeltöne, Location Aware (GPS), Anwendungen und Netzwerke
- Taktiken: Smart Mob: meist SMS, Mitglieder untereinander unbekannt, koordinierte Aktionen; Wahlüberwachung (sowohl crowd sourced als auch trainierte Freiwillige); Bürgerberichte und Dokumentation (gesammelte Meldungen über Gewalt oder ähnlichen); Sousvaillance – watchful vigilance grom underneath (wachsamer Widerstand aus dem Untergrund): Aufzeichnen eines Ereignisses aus der Perspektive des normalen Beobachters
Überwachung der Autorität durch eine Graswurzelbewegung mit der Absicht illegale oder unmoralische Aktivitäten zu entdecken.
wenig Internet, viele Handys: 1 Mio auf den Straßen, nur 91.000 Unterschriften Online-Petition

SMS- Aktionen: Leute mobilisieren – große Datenbasis, wenige strategische Nachrichten mit einfach erfüllbaren Aufforderungen
Digital Divide: Zugang; Befähigung existierender Eliten, eine Reflektion der sozialen Ungleichheit offline (Bsp: Jungen rennen zu Computerplätzen, „anständige“ Mädchen gehen, so dass alle Plätze besetzt sind; Leapfrogging – Entwicklungsländer überspringen Technologien bsp. gleich Handy, kein Festnetz )

Digital Divide for Skills (für Fähigkeiten)

U – Understanding whats possible (verstehen was möglich ist)
B – Beeing able to perform the function (in der Lage sein, eine Funktion auszuführen)
E – Engaging effectivly and efficiently (effektives und effizientes Engagement)
R – Reorganising privacy, security and legal issues (Neuorganisieren von Privatsphäre, Sicherheit und rechtlichen Angelegenheiten)
G – Getting assistance (Hilfe erhalten)
E – Evaluating the credibility of material (Einschätzung der Zuverlässigkeit von Materialien)
M – Managing the material (Verwaltung des Materials)

Strategie als eine Fähigkeit, Fähigkeiten mit der Kultur verbinden, Zensur (Skill Divide: wer kann umgehen?)
Überwachung einfacher, auch Handyortung, GPS → Angst erzeugend, tools nicht genutzt
Auch: keine kompletten Blockaden, sondern nur „Schneckenservice“
Iran: Iraner, die im Ausland waren, mussten sich bei der Rückkehr einloggen, oder sie wären nicht ins Land gelassen worden.

China: „Rote Westen“ oder „50 Cent Armee“: von Regierung bezahlte Kommentatoren auf Blogs, sozialen Plattformen, melden auch Kritiker
(102) Soziale Bewegungen
- Netzwerk von informellen Interaktionen zwischen Personen, Gruppen und Organisationen
- geteilte Vorstellungen, Bande der Solidarität
- involviert in politischen oder kulturellen Konflikten, die Resultat eines gesellschaftlichen Wandels sind
GJM: Global justice movement (Globale Gerechtigkeits Bewegung), bekannt als Antiglobalisierungsbewegung, erstmals 1999 groß bekannt geworden in Seattle
(103) 50000 Demonstranten zur WTO
Merkmale dezentralisierter Bewegungen:
- segmentiert – mehrere kleinere Gruppen (nodes) in der Bewegung, deren Teilnahme schwankt
- polyzentrisch – mehrere Zentren und Anführer mit eher kurzem Einfluss
- integriert – verbunden durch Beziehungen der Aktivisten oder eine gemeinsame Identität oder Satz von Überzeugungen (set of beliefs)
(111)
Meinung teilen – kleine Liste, Facebookwall – Solidarität
Wie erhält man diese Bewegungen? Mehr formale Organisation?
2 Wege der Definition für stabile Bewegung
a) die selben Leute, auch wenn sich Ziele ändern
b) die selben Ziele, auch wenn Leute fluktuieren
Wichtig für die Ausdauer:
A) Offene Erzählungen (open naratives) und einbeziehende Geschichten
B) regelmäßige persönliche Treffen
C) kurzzeitige, gut definierte Projekte
D) permanenter Online-platz

A) ermöglicht verschiedene Interpretationen Bsp. „Eine andere Welt ist möglich!“, ermöglicht schnell Neufokussierung
B) verstärkt Zugehörigkeitsgefühl, macht die Gruppe erlebbar und verstärkt auch Online-Kommunikation. Regelmäßigkeit!! Einschätzung des anderen, Flaming-Schadensreparatur, Treffen mit fremden Mitgliedern oder jenen, mit denen man nicht spricht
C) baut Vertrauen und Erfahrung auf, konzentriert auf Projekt statt Gegensätze zwischen Personen, aufgebaute Beziehungen bleiben bestehen und stärken Aktivisten
D) stärkeres Gefühl für Stabilität und Kontinuität, Gateways für existierende und neue Teilnehmer, gemeinsames Gedächtnis

(119) große Offenheit (des Internets) bedingt, dass der Zeitabstand zwischen „Trendthema“ (Twitter) und von „Lärm“ verschmutztem (Spam und tangierende Gespräche) rapide schrumpft bei einer bestimmten Beliebtheit. Einige Infos sind wichtiger als andere und der Lärm versteckt und behindert eine effektive Mobilisation.

Prozess genannt: memetische Entropie (mem: übertragbare Einheit kulturellen Inhalts) – je mehr Inhalt, desto unorganisierter – daraus folgt, dass Filter nötig sind
shotgun strategie (Schrotflinten-Strategie): Gruppe schwärmt aus und verteilt möglichst viel. Aber: Masse ist nicht gleich Einfluss
Unterscheiden: Aufmerksamkeit wecken oder Teilnahme der Zuhörer erforderlich (bekannte, vertraute Personen!)
3 Aktionen beobachtet: re-tweet, replies, mentiones (nachtwittern, antworten, erwähnen)
unterschiedliche Berühmtheiten erzeugen (zuverlässig) unterschiedliche Reaktionen
kurze, konzentrierte Ausbrüche, Verbreitung in den Tops (top spreading) / andauerndes Level sozialer Aktivitäten
Twitter nur gut für klare Aussagen?
Web News Cycle: 2 Zeiten mit besonders hoher Aktivität.
follower nicht gleich Einfluss, kann dank autofollower auch gefakt werden, aber: Maskierungsmöglichkeit
Scripte, die effektiv Personen vorgaukeln, Follower gewinnen und für Mobilisierung genutzt werden können – von allen Seiten
Werteneutrale Technologie
(146)
taktische Indikatoren des Erfolgs – Unterschriften, Seitenaufrufe, Blogposts
strategische Indikatoren: Erfolg
Beispiel: Eine Demo 3000 km von den Entscheidenden weg: taktisch sehr erfolgreich (viele Leute etc.), strategisch ohne Erfolg
taktische Indikatoren sind oft inherent unzuverlässig
Was ist Einfluss? (158)
blogroll-mentiones (seitl. Erwähnung in blogs)
hyperlinks
site traffic
Anzahl Kommentare
taktische Erfolge auf nationalem Level helfen nicht bei lokalen Entscheidungen, daher fokussieren

Blogger in Ägypten:
1) Nachrichten verbreiten, die übersehen würden
2) Dokumentation mit einzigartigem Material (Text, Foto, Video)
3) übertragen Ereignisse (stories) an globales Publikum
4) red-lining-Ansprachen offizieller Tabu-Themen (taktische Erfolge, strategische Niederlagen, daher auch demotivierend?)
Strategie ist das Wandeln von „was du hast“ in „was du brauchst“ um „was du willst“ zu bekommen (tools in takt. Messwerte in Ziele)
Ziel erreicht beim Überzeugen eines Menschen oder etwas Unterstützung von wenigen Leuten
Gegenmaßnahmen zur Einkerkerung: Anonymität, Ruhm und Kampagnen
Ruhm wirkt eher positiv in Demokratien, eher negativ oder gemischt in Regimes, aber: alles dreies unzureichende Strategie
(181)
Technologie alleine ist nicht genug.
(188)
Ältere Leute gehen ins Netz, nutzen es aber deutlich anders, nehmen Facebook, Twitter, Kampagnen-Webseiten und „Aktionszentren“ nicht wahr.
Zwei Philosophien
A) baue es und sie werden kommen
B) treffe sie wo sie sind
billige Kommunikation hat zu mehr Informationen geführt „Was, du liest das alles?“

schnelle Verfügbarkeit von Informationen führt zu:
Autorität oder Genauigkeit ist nicht länger garantiert
Jeder Meinung kann der Anschein eines Expertenergebnisses gegeben werden
Information bzw. Wissen ist breiter, aber weniger tief, möglicher Verlust des Zusammenhangs und somit des Verstehens
Vergleich: Unterschied zwischen schriftlicher und mündlicher Wegbeschreibung und Satellitenfoto

„Wir gegen sie“ kann nur Symptome bekämpfen – CO2 Reduktion ohne Veränderung der Ölindustrie nicht möglich, diese zerstören auch nicht
wir sind im Krieg mit uns selbst – Auto fahren etc.
Greenpeace und Dow Chemical bestehen beide aus dem kollektiven Resultat von Menschen, die den Umständen mit ihrem besten gegenüberstehen
Gegensätze anzuerkennen ist der erste Schritt in Richtung Mitgefühl (compassion)
(204)
Sich zu frühzeitig oder zu genau zu fokussieren kann die Einschätzung einer komplexen Situation stark stören
animating purpose too weak: venues for back-patters, blabbers, bullies
verschiedene Ziele und Organisationen können gemeinsame Wurzel haben
Zukünftige Organisationen könnten werden wie F&E Labore
Vordenker, Überblick anbieten, Werkzeuge, Infrastruktur und Anregungen (incentives) werden gebraucht, selbst ausgerichtete, lokale Reaktionen
Tactical Technology Collective: Film mit 10 Taktiken für digitale Werkzeuge, Digi Active
„best practices“ ändern sich schnell, strategisches Wissen nötig, da riesige Aufgabe: Schwarmbasiert (Croud Sourced), rigorose Analyse und Vergleich, nicht, nicht-kommerzielle, kommerzielle, staatliche, akademische, Institutionen müssen einbezogen werden, gemeinsame Terminologie ist nötig
(215) „wenig Zeit“ und „wenig Kosten“-Engagement statt „viel Zeit“ und „viel Kosten“-Engagement führen zu neuen Institutionen. ad hoc Organisationen für bestimmte Projekte
3 Motivatoren: Autonomie, Meisterschaft, Zweck

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Erneuerbare Energien und Wasser als Energiespeicher?

Im Jahr 2011 haben die Erneuerbaren Energien 19,9% des deutschen Stromes geliefert. Zugegeben, ein nicht unbeträchtlicher Teil dieses Wachstums geht auf die fehlende Produktion der Atomkraftwerke zurück, aber dennoch: Hut ab! Noch zur Jahrtausendwende wurden 20% selbst bis 2020 als ambitioniert angesehen oder sogar von den „4 Energieriesen“ als unmöglich hingestellt.
Die EEG-Umlage dieses Jahr nur unmerklich ansteigen. Gleichzeitig hat der bisherige Atomausstieg hat allem Anschein nach zu keinen Preissteigerungen geführt – zumindest an der Strombörse, wo die Erneuerbaren schon lange als Preisdämpfer wirken, über den Daumen gepeilt um eine gute Hälfte der EEG-Umlage.
Die Abschaltung der Atomkraftwerke hat allerdings am 3. u. 4. Dezember dafür gesorgt, dass auf österreichische, schmutzige Reservekraftwerke (Öl) zurückgegriffen werden musste. Die Hauptursache dafür war aber der ungeplante Ausfall eines AKW wegen Schäden und die niedrigste fossile Stromproduktion in deutschen Kraftwerken seit 2007. Doch gerade für diese Extremfälle sind die Reserven ja da. Insgesamt war Deutschland auch im Jahr 2011 ein Nettostromexporteur.

Doch mit den steigenden Energieerzeugungskapazitäten kommt auch das Problem der Speicherung und des Transports besonders zur Geltung. Das Transportproblem wird in der Zukunft insbesondere verschärft durch die Erzeugung von Offshore-Windstrom. Zwar vergleichsweise zuverlässig, ist dieser Strom voraussehbar in wenigen Jahren der teuerste regenerative Strom und muss zudem durch ganz Deutschland transportiert werden. Dafür ist die Offshore-Technologie etwas, das in der Größenlage der großen Energiekonzerne ist, die sich dort ohne Konkurrenz „grün“ betätigen können – mit dem zusätzlichen Vorteil, dass sie so sagen können, sie tun etwas für die Umwelt, auch wenn sich 10 Jahre lang nichts tut.
In 10 Jahren hätte man eine Menge Windräder in Bayern aufstellen können, dort, wo der Strom gebraucht wird.

Auf der anderen Seite machen viele Technologien gute Fortschritte. So will das Startup Second Solar aus Halle ab 2014 Dünnschicht-Fotovoltaikzellen für 50 Cent pro Wattpeak herstellen – 8 Cent weniger als der bisherige Spitzenreiter First Solar. Und Smart Hydro Power stellt Kleinwasserkraftwerke her, die deutlich billiger als Dieselaggregate die Inselversorgung sicherstellen sollen, sei es an flussnahen Campingplätzen oder im Amazonasgebiet.

Urbane Wasserspeicher?

Wasser… kann man damit nicht noch mehr anstellen? So ging es mir durch den Kopf. Wasser ist die wohl einfachste Form der Stromspeicherung. Alles was man braucht ist Höhe und eine Turbine. Und, naja, das ganze Drumherum.
Aber wie viel Energie ist eigentlich in Wasser gespeichert? Tja, gute Frage. Meine Recherche hat ergeben:

Pro Liter pro Sekunde pro Meter die Erdbeschleunigung mal Wirkungsgrad.

Also: Ein Liter Wasser, der in einer Sekunde durch die Leitung fließt mit einem Höhenunterschied von einem Meter macht genau 1 „Präwatt“ – mal Erdbeschleunigung (9,81 im Schnitt) mal Wirkungsgrad von Turbine und Generator.
Die letzten drei Sachen kann man bei Kleinstanlagen (große sind effektiver) zu rund dem Faktor 5 zusammenfassen. Macht also pro Präwatt – ein Liter eine Sekunde über ein Meter – 5 Watt Strom. Für eine Sekunde.

Nicht sehr beeindruckend, oder? Wenn man bedenkt, was es für Anstrengung kostet, einen 10-Liter-Eimer vom Boden bis über den Kopf zu heben, und dann soll das gerade mal für 3 Sekunden Netbook reichen? Auf der anderen Seite fließt viel Wasser die Saale entlang an einem Tag…

Was wäre, wenn man das Wasser als Speicher in der Stadt nutzt? In einem Eigenheim, gleichzeitig als Klimaanlage im Hauskern? Nach kurzem Rechnen kam heraus: Nicht sonderlich sinnvoll. Hält den Kühlschrank nur für ein paar Minuten am Laufen.
Was ist mit größeren Gebäuden? Aber welche Gebäude haben viel Platz und sind stabil und möglichst auch noch hoch?
Parkhäuser bzw. Tiefgaragen. Gut, sie sind nicht sonderlich hoch, aber dafür groß. Und wenn man Pfeiler zur Not etwas dicker machen muss, sollte das auch kein großes Problem sein, oder?
Was gäbe denn eine Tiefgarage her? Nehmen wir eine kleine, 50×50 Meter, zwei Etagen.
Eine Etage hat 3 Meter Höhe, macht eine effektive Fallhöhe von 5 Metern (sage ich einfach mal so).

50×50 Meter sind 2500 Kubikmeter. Für die Gleichung oben ersetzen wir Kubik durch Liter und Watt durch Kilowatt, das kürzt sich weg. Angenommen wird eine bescheidene Wasserbeckenhöhe von einem Meter. Wir erhalten also 2500 Kilopräwatt.
2.500 KPW mal „Erntefaktor“ 5 macht 12.500 KPW Gesamtenergie, die wir von unserem Speicher erhalten können.
Durch 60 Sekunden und durch 60 Minuten ergibt rund 3,5 Stunden, die wir 1KW erzeugen könnten.

Was heißt das? Mal überlegen. Wie viel Strom braucht ein Parkhaus? Die Beleuchtung da drin ist ja nicht sonderlich gut. Mit einer 14W Energiesparlampe pro 5×5 Meter-Abschnitt ist man dabei, glaube ich. Geben wir knapp noch mal so viel für alles andere (Parkschranke) und eine Schätzreserve hinzu, kommen wir auf 1Watt pro Quadratmeter.
50 Meter x 50 Meter x 2 Etagen = 5KW.

Das heißt, wir könnten unser Parkhaus mit konservativer Rechnung etwa eine Dreiviertelstunde mit Strom versorgen. Bei etwas besseren Faktoren eine ganze Stunde. Pro Meter Wasserbassin auf Dach und im Keller.
Naja, nicht gerade so viel, wie ich erwartet hatte. Ich hätte eher das dreifache geschätzt.

Und wo kommt der Strom her? Von Solarzellen auf dem Wasserbassin natürlich. Die Ernte beträgt in unseren Breiten konservativ geschätzt 900 kWh pro installiertem kWp (voriges Jahr hat in LSA mehr als 1000 gebracht!
Wie viel auf unser Dach passt, hängt natürlich von der Art der Solarzelle ab. Ich habe mir zum Rechnen eine 200W polykristalline genommen. Die nimmt pro 100W knapp 0,8 Quadratmeter ein. Also 8qm pro KWp.
2500qm / 8 macht gute 300 KWp.
Holla die Waldfee! Da kommt ja einiges zusammen. Das reicht auf alle Fälle zum Wasser hochpumpen. Und selbst an einem bewölkten Tag ist genug Saft da für das Innere. Kosten würde die Anlage übrigens rund eine Dreiviertelmillion. Die könnte also mehr Wert sein als der Fuhrpark innen drin ^^

So, das wars für heute. Knapp 1000 Wörter für (beabsichtigt) eine einfache Rechnung reichen ;) Kommentare, gefundene Fehler, eigene Ideen?

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Jahreswechsel (eine ganz politische Rede)

Liebe Piraten, liebe andere Leser,

ein langes Jahr liegt hinter uns. Ein Jahr so voller Ereignisse, dass es eigentlich viel zu kurz für alles Geschehene erscheint.
Neben vielen sonnigen Tagen gab es auch viele, an denen die Sonne von dunklen Wolken verdeckt wurde, nicht nur beim Wetter. Menschliches Leid hat uns ebenso ergriffen wie große menschliche Freuden. Es gab Erfolge auf der politischen Bühne und auch Niederlagen. Bedeutende Menschen sind gestorben, um die die ganze Welt trauert. Bei anderen Toden sind wir alle eher erleichtert. Doch was auch immer der Fall ist, eines haben alle Tode gemeinsam: sie sind ein Wandel, auch und gerade für die Hinterbliebenen. Doch ein Wandel sind auch die Geburten, die sich jede Sekunde ereignen. Wer weiß schon, welche herausragende Wissenschaftlerin, welcher fürsorgende Familienvater und welches Glasfaserkabel durchknabbernde Eichhörnchen in dieser Sekunde geboren wird? Erst die Zukunft wird es zeigen.
Das nächste Jahr wird, ebenso wie das vergangene, eine Vielzahl schöner Momente haben, aber auch Momente der Trauer oder des Ärgers. Damit die schönen Momente in der Mehrzahl sind, lasst uns eines nicht vergessen: Setzen wir uns für das Gute ein, so früh und energisch wie möglich. Denn: Die beste Zeit, ein Problem anzupacken, ist die Zeit vor seiner Entstehung. (Ray Freedman)

In diesem Sinne wünscht euch euer LennStar: Ein schönes und erfolgreiches neues Jahr!

Und wer verstanden hat, was in der Überschrift mit politischer Rede gemeint ist, darf herzlich mit mir lachen, denn das ist gesund.

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AIDS: moralisches Marktversagen

Seit 1988 ist jährlich am 1. Dezember der Welt-Aids-Tag. Er soll an die vielen Opfer dieser viralen Erkrankung erinnern, die besonders in Afrika wütet, aber auch hier in Deutschland jedes Jahr ihre Opfer fordert.

Geschätzt sind etwa 34 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, etwa 2 Millionen sterben an den Folgen der Infektion. Aber bei weitem nicht alle Infizierten erhalten Medikamente.
Dies liegt vor allem am Preis. Selbst wenn eine Dosis relativ wenig kostet – auf die Dauer ist es teuer. Und für viele afrikanisch Staaten ist es schlicht unbezahlbar, ihre Bevölkerung damit zu versorgen. Hunger und sauberes Wasser sind viel dringendere und auffälligere Probleme.

Kostenlose Medikamente?

Warum wird den Menschen nicht geholfen, indem ihnen die Medikamente bezahlt werden? Hat die Weltgemeinschaft nicht so viel Geld?
Doch hat sie, selbst in der gegenwärtigen Krise. Und es könnte noch billiger werden, wenn die Pharmaunternehmen nicht auf ihren Preisen bestehen würden. Denn die Herstellung ist deutlich billiger. Aber sie verweisen darauf, dass sie Unternehmen sind. Als solche sind sie dem Gewinn verpflichtet, nicht der Wohlfahrt der Menschheit.
Damit haben sie sogar recht.
Es dauert Jahre, manchmal Jahrzehnte, ein Medikament zu entwickeln. Entsprechend viel kostet es. Trotzdem kommt nur ein kleiner Bruchteil der Entwicklungen jemals auf den Markt, auch wenn es im Ergebnis eine große Menge ist. Das bedeutet, dass jedes Pharmaunternehmen eine Mischkalkulation ist. Sie können es sich nicht leisten, erfolgreiche Medikamente kostenlos oder zum Produktionspreis abzugeben. Sie müssen mit den Einnahmen aus einem erfolgreichen Medikament die Kosten für die Erforschung eines Dutzends oder noch mehr Fehlentwicklungen finanzieren. Bei einer lediglich kostendeckenden Abgabe würde das Unternehmen pleite gehen.

Nicht wenigstens eine Ausnahme?

Wie wäre es, wenn nur AIDS-Medikamente abgegeben würden?
Gegen diesen Vorschlag wehren sich die Pharmaunternehmen mit allen Mitteln. Herzlos? Vielleicht. Aber überlebensnotwendig. Denn wenn man einmal mit AIDS angefangen hat, warum sollte man dann andere tödliche Krankheiten ausschließen? Also alle Medikamente gegen tödliche Krankheiten zum Herstellungspreis?
Was ist mit Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer, die zwar nicht den Körper sterben lassen, aber den Geist? Etwas, das viele Menschen als noch beängstigender empfinden als den körperlichen Tod?
Die Abgabe eines Medikamentes wäre ein moralischer Dammbruch, und träte ein solcher ein, würden sich alle Pharmaunternehmen aus der Hertellung von lebensnotwendigen Medikamenten verabschieden.

Unternehmen werden nicht für moralische Ziele bezahlt

Weil Unternehmen Geld machen wollen und sollen, werden sie nur in das investieren, was ihnen Geld bringt. Für einen Pharmahersteller macht es daher viel mehr Sinn, in Potenzmittel oder Haarwuchsmittel zu investieren, als in Medikamente, die eine Krankheit heilen.
Sind von der Krankheit nur einige Wenige betroffen (z.B. “Mondscheinkinder“), oder ist der moralische Druck zur billigen Versorgung der Betroffenen aufgrund der Ausbreitung und Gefährlichkeit der Krankheit zu groß, ist der Verlust garantiert oder das Verlustrisiko zumindest viel zu groß.
Tatsächlich wurde mehr Geld in die Erforschung von Haarwuchsmitteln gesteckt, als in die Erforschung eines AIDS-Heilmittels.

Behandlung ist nicht Heilung

Aber es gibt auch noch eine andere Begründung für diesen Unterschied der Investitionen, und dieser liegt im Unterschied zwischen Behandlung und Heilung bzw. Impfung.
Falls es eine AIDS-Impfung geben sollte, wäre dieses Medikament nur einmal pro Person verkaufbar (und der moralische Druck ungeheuer groß). Ein Medikament, das AIDS nur behandelt, muss dagegen das ganze Leben gekauft werden (und das Fehlen einer oder auch mehrerer Dosen führt nicht zum Tod, der moralische Druck ist also wesentlich geringer).
Auch Potenzmittel und Haarwuchsmittel sind wiederholt verkaufbar (und haben nebenbei über den Daumen gepeilt eine Milliarde mehr potentielle Abnehmer). Die Pharmaindustrie hätte gar kein Interesse, ein Haarwuchsmittel zu verkaufen, das dauerhaft wirkt, selbst wenn es ein solches geben sollte. Das ist wie mit den Elektroautos, deren Pläne und Patente jahrelang in den Schubladen der Auto- und Ölkonzerne lagen. Das Stichwort hier ist Selbstkannibalisierung. Warum ein Produkt auf den Markt bringen, welches das Fundament des Unternehmens gefährdet? Pharmaunternehmen machen da keine Ausnahme, aufgrund der moralischen Seiten ihres Geschäftes sind sie sogar noch in einer viel schwereren Position.

moralisches Marktversagen

Das, was wir hier haben, nenne ich moralisches Marktversagen. Der finanzielle Teil des Marktgeschehens funktioniert. Aber der Markt schließt auch Menschen von der Versorgung mit einem lebenswichtigen Gut aus.
Aufgabe der Politik – und damit auch der Piratenpartei – muss es sein, eine Lösung für dieses Problem zu finden, wie immer diese auch aussehen mag. Jeder mit einer guten Idee ist herzlich dazu eingeladen, sie zu teilen.

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